Doubleface-Stricken ist eine faszinierende Technik, bei der du zwei Farben und zwei Stoffseiten gleichzeitig strickst. Genau das macht diese Technik aber auch fehleranfällig: Schon kleine Unachtsamkeiten bei der Fadenführung, Fadenspannung oder Maschenkontrolle können das Strickbild deutlich beeinflussen.
In diesem Artikel zeige ich dir die häufigsten Fehler beim Doubleface-Stricken – und wie du sie gezielt vermeiden oder Schritt für Schritt korrigieren kannst, ohne gleich alles aufribbeln zu müssen.
Die häufigsten Fehler beim Doubleface-Stricken im Überblick

Beim Doubleface-Stricken entstehen die meisten Fehler durch die gleichzeitige Arbeit mit zwei Fäden und zwei Stoffseiten gleichzeitig. Besonders häufig sind:
- Verdrehte Fäden
Entstehen durch inkonsequente Fadenführung und führen zu einem unruhigen Maschenbild. - Löcher beim Farbwechsel
Treten auf, wenn die Fäden beim Farbwechsel nicht gleichmässig angezogen werden. - Musterfehler
Falsche Farben oder vertauschte Vorder- und Rückseiten lassen das Motiv ‘kippen’. - Vertauschte Maschen (rechts/links)
Verändern die Struktur und lassen das Strickbild ungleichmässig wirken. - Ungleichmäßige Fadenspannung
Eine Seite wird zu locker, die andere zu fest. - Unsaubere oder wellige Kanten
Entstehen durch ungleichmässig gestrickte Randmaschen.
Verdrehte Fäden beim Doubleface-Stricken vermeiden und korrigieren
Verdrehte Fäden führen dazu, dass Maschen „gezogen“ oder „gedrückt“ werden und das Strickbild unruhig wirkt.
So behältst du die Kontrolle über Deine Fäden:
Europäische Fadenführung:
- Lege eine feste Position für beide Fäden fest. z.B. ein Faden über den Zeigefinger, der andere über den Mittelfinger, oder ein Faden näher an der Nadel und der andere etwas weiter hinten.
- Behalte diese Reihenfolge konsequent bei.
- Entwirre die Fäden regelmäßig (ideal: am Anfang jeder Reihe).
Englische Fadenführung:
- Führe den Faden für die rechte Masche immer auf der Dir zugewandten Seite deines Fingers
- Der zweite Faden liegt auf der abgewandten Seite.
- Entwirre die Fäden regelmässig (z.B. bei jedem Farbwechsel und am Anfang jeder Reihe).
👉 Tipp: Viele führen bewusst einen Faden links und einen rechts – das sorgt automatisch für Ordnung.
Löcher im Doubleface-Strickstück verhindern
Zwischen Farbwechseln entstehen kleine Löcher, wenn die Fäden beim Farbwechsel nicht gleichmässig angezogen werden.

So vermeidest du Lücken:
- Führe beide Fäden vollständig auf die jeweils andere Seite der Arbeit
- Achte darauf, dass keine kleine Schlaufe zurückbleibt
- Ziehe den neuen Faden leicht an, bevor du die nächste Masche strickst
- Stricke gleichmäßig – nicht zu fest
Musterfehler beim Doubleface-Stricken korrigieren
Ein Musterfehler entsteht, wenn eine Masche mit der falschen Farbe gestrickt oder Vorder- und Rückseite vertauscht wurden.
Vertauschte Vorder- und Rückseitenmaschen korrigieren
Hier wurden die Farben einer Doppelmasche vertauscht.
Werkzeug: Häkelnadel, Stricknadel, Sicherheitsnadel
- Fehler lokalisieren
Finde die fehlerhafte Doppelmasche und die Doppelmasche direkt darüber auf der Nadel (gleiche senkrechte Linie)
- Maschen abheben
Lass die Maschen die in der senkrechten Linie über die Fehlerstelle liegen nacheinander vorsichtig von der Nadel gleiten, bis du den Fehler erreichst. Sichere die letzte richtige Masche unter dem Fehler mit der Häkelnadel.
Wichtig:
ᴏ Arbeite beide Seiten getrennt
ᴏ Fixiere die nicht bearbeitete Seite mit einer Sicherheitsnadel - Farben korrekt zuordnen
Ziehe mit der Häkelnadel den Faden in der richtigen Farbe durch (beide Seiten getrennt)

- Maschen wieder hochhäkeln
Häkle die Maschen von unten nach oben wieder hoch (beide Seiten getrennt) - Weiterstricken
Setze die Doppelmasche korrekt auf die Nadel und arbeite normal weiter
Einzelne Maschen gezielt reparieren
Die Reparatur ist möglich, aber etwas heikel:
Der ursprünglich verwendete Faden bleibt nach der Korrektur übrig, wodurch die Spannung an dieser Stelle ungleichmässig werden kann.
👉 Empfehlung:
- Liegt der Fehler nur wenige Reihen zurück → lieber aufribbeln
- Liegt er weiter unten → mit Maschenstich überdecken
Kurz-Anleitung: Einzelne Masche korrigieren
- Maschen bis zur Fehlerstelle fallen lassen
- Mit der Häkelnadel einen Faden in der richtigen Farbe durchziehen (muss später sorgfältig vernäht werden
- Maschen wieder hochhäkeln
- Weiterstricken
👉 Tipp: Mehrere benachbarte Maschen kannst du einzeln nacheinander korrigieren.
Maschenstich: Fehler einfach überdecken
Wenn der Fehler weit zurückliegt, ist der Maschenstich oft die beste Lösung.
So funktioniert’s:
- Faden in passender Farbe einfädeln
- Von hinten nach vorne einstechen
- Maschenverlauf exakt nachsticken
- Spannung anpassen
- Faden unsichtbar vernähen

👉 Wichtig: Lass genügend Faden übrig, um ihn später sauber zu vernähen.
Rechte und linke Maschen im Doubleface korrigieren
Wurde eine Masche rechts statt links gestrickt (oder umgekehrt), erscheint die falsche Seite aussen.

Lösung:
- Maschen bis zur Fehlerstelle fallen lassen
- Maschen korrekt neu hochhäkeln
- Dabei Einstechrichtung beachten (für glatte Seite außen)
Gleichmäßiges Maschenbild beim Doubleface-Stricken
Ein ungleichmäßiges Maschenbild entsteht fast immer durch unterschiedliche Fadenspannung.

Das hilft:
- Gleichmässige Handhaltung
- Regelmässige Kontrolle beider Seiten
- Lieber etwas lockerer stricken und später dämpfen
Ein sauberes Strickbild entsteht nur, wenn:
- beide Fäden sauber getrennt sind
- die Spannung gleichmässig ist
- jede Masche korrekt gestrickt wird
Saubere Kanten beim Doubleface-Stricken
Unsaubere Kanten entstehen durch ungleichmässige Randmaschen.

Tipps:
- Feste Randtechnik verwenden
- Randmaschen nicht zu locker stricken
- Spannung bewusst kontrollieren
Und wenn du doch einmal aufribbeln musst
Manchmal lässt sich ein Fehler nicht anders korrigieren – dann ist Aufribbeln die beste Lösung. Damit dabei nichts schiefgeht, hilft eine sogenannte Lifeline.

Lege die Lifeline am besten in die Reihe ein, die sich gerade auf deiner Nadel befindet. Verwende dafür einen dünnen, aber reissfesten Faden in einer gut sichtbaren Kontrastfarbe. Ziehe diesen mit einer Stick- oder Stopfnadel mit stumpfer Spitze unterhalb der Stricknadel durch alle Maschen auf der Nadel.
Anschließend strickst du ganz normal weiter und achtest darauf, die Lifeline nicht mit einzustricken.
Wenn du später aufribbeln musst, kannst du dein Strickstück problemlos bis zu dieser gesicherten Reihe zurückziehen. Die Maschen bleiben auf dem Faden erhalten und lassen sich einfach wieder auf die Stricknadel aufnehmen.
Gerade bei komplexeren Mustern lohnt es sich, regelmäßig eine Lifeline einzuziehen. So sicherst du deine Arbeit und kannst Fehler jederzeit entspannt korrigieren.
Fazit: Fehler beim Doubleface-Stricken entspannt meistern
Wenn du einen Fehler erst spät entdeckst, wird die Korrektur oft aufwendig. Jetzt hilft nur eine ehrliche Entscheidung:
Willst du aufribbeln?
Reicht ein Maschenstich?
Oder darf der Fehler einfach bleiben?
Denn ganz ehrlich: Ein kleiner Makel macht dein Strickstück oft erst einzigartig und lebendig.