Kann man mit Häkeln wirklich Geld verdienen?
Ja, man kann mit Häkeln Geld verdienen. Die wichtigere Frage ist jedoch, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen.
Häkeln ist Handarbeit. Jede Masche kostet Zeit. Besonders bei detailreichen Figuren summieren sich viele Stunden, bevor ein Projekt fertig ist. Deshalb sollte man sich bewusst machen, dass man bei fertigen Häkelstücken in erster Linie seine eigene Zeit verkauft. Und diese Zeit wird oft unterschätzt, sowohl von Käufern als auch von Häklern selbst.
Trotzdem gibt es verschiedene Wege, mit dem eigenen Können Einnahmen zu erzielen. Wichtig ist vor allem eine realistische Erwartungshaltung.
In diesem Beitrag möchte ich dir einen ehrlichen und realistischen Überblick zu diesem Thema geben. Ich beziehe mich dabei hauptsächlich auf Amigurumis. Viele Punkte lassen sich jedoch auch auf andere Bereiche übertragen. Ich tauche außerdem bewusst nicht zu tief in einzelne Themen ein, denn jeder dieser Punkte könnte für sich genommen bereits einen eigenen ausführlichen Blogbeitrag füllen. Hier soll es vor allem darum gehen, dir die unterschiedlichen Wege aufzuzeigen und dir eine realistische Orientierung zu geben.
1. Gewerbeanmeldung und rechtliche Grundlagen
Sobald du mit deinen Häkelarbeiten regelmäßig Geld verdienst, bewegst du dich in der Regel im gewerblichen Bereich. Entscheidend ist dabei nicht, wie hoch deine Einnahmen sind, sondern ob du deine Tätigkeit selbstständig, dauerhaft und mit der Absicht betreibst, Gewinn zu erzielen. Wer also fortlaufend fertige Häkelstücke verkauft, Anleitungen anbietet, Workshops gibt oder über Plattformen Einnahmen erzielt, handelt meist nicht mehr rein privat.
Mit einer gewerblichen Tätigkeit gehen weitere Pflichten einher. Dazu gehören unter anderem steuerliche Aspekte, eine ordentliche Buchführung und gegebenenfalls die Absicherung über eine Haftpflichtversicherung. Wer regelmäßig Einnahmen erzielt, sollte sich daher rechtzeitig informieren und die notwendigen Schritte einleiten.
Es ist wichtig, dieses Thema nicht zu unterschätzen. Kreativität und Unternehmertum gehören in diesem Fall zusammen. Wer sein Hobby zum Nebenverdienst machen möchte, sollte sich auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen.
2. Fertige Häkelstücke verkaufen
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Der naheliegendste Weg ist der Verkauf fertiger Häkelstücke. Besonders Amigurumis, kleine Accessoires oder personalisierte Figuren sind gefragt. Wer fertige Häkelstücke verkauft, sollte sich bewusst sein, dass dies nicht nur kreatives Arbeiten bedeutet, sondern auch Organisation, Planung und oft eine gewisse Vorproduktion erfordert. Neben Materialbeschaffung, Preisgestaltung und Vermarktung spielen auch rechtliche Aspekte eine wichtige Rolle. Besonders bei Amigurumis, die als Spielzeug eingeordnet werden können, muss man sich mit Themen wie der CE-Kennzeichnung und Produktsicherheit auseinandersetzen. In meinem separaten Blogbeitrag „CE-Kennzeichnung für gehäkelte Kuscheltiere und Amigurumis - Was du wissen musst“ gehe ich ausführlich auf diese Punkte ein und erkläre, was dabei zu beachten ist.
Online können solche Produkte über Plattformen wie zum Beispiel Etsy oder den eigenen Shop angeboten werden. Manche bieten auch individuelle Anfertigungen nach Kundenwunsch an, beispielsweise über Plattformen wie Fiverr.
Dabei sollte man jedoch berücksichtigen, dass nicht nur Materialkosten anfallen, sondern auch Plattformgebühren, Verpackung, Versand und natürlich die eigene Arbeitszeit. Gerade bei Amigurumis ist es schwierig, Preise zu verlangen, die den tatsächlichen Stundenaufwand widerspiegeln. Viele Kunden sind oft nicht bereit, einen Preis zu zahlen, der dem handwerklichen Aufwand entspricht.
Auch Märkte, Messen oder Mietregale in lokalen Geschäften bieten eine Plattform für handgefertigte Produkte. Hier hat man den Vorteil des persönlichen Kontakts und kann seine Arbeiten direkt präsentieren. Gleichzeitig entstehen jedoch zusätzliche Kosten für Standgebühren oder Mietflächen, und der Verkaufserfolg ist nicht immer garantiert und planbar.
3. Häkelanleitungen verkaufen
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Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf eigener Häkelanleitungen. Statt fertige Produkte anzubieten, verkauft man hier sein Wissen, seine Ideen und seine Designs. Anleitungen können als PDF über Plattformen wie Crazypatterns angeboten werden. Auch Video-Tutorials oder eine Kombination aus PDF und Video sind denkbar.
Der große Vorteil liegt darin, dass eine Anleitung einmal erstellt wird und anschließend mehrfach verkauft werden kann. Dennoch steckt auch hier viel Arbeit dahinter. Ein Design muss entwickelt, ausgearbeitet und getestet werden. Die Anleitung muss verständlich formuliert, überarbeitet und professionell präsentiert werden. Fotos, Layout und gegebenenfalls Marketing gehören ebenfalls dazu.
Wenn du auch hier mehr über dieses Thema wissen möchtest, findest du in meinem Blogbeitrag „Ein Blick hinter die Kulissen: Wie entsteht eigentlich eine Häkelanleitung?“ alle interessanten Informationen ausführlich erklärt.
4. Mit Social Media Geld verdienen

Social Media bietet zusätzliche Möglichkeiten, Einnahmen zu generieren. YouTube-Tutorials können über Werbeeinnahmen monetarisiert werden, Affiliate-Links für Garn oder Zubehör bringen kleine Provisionen, und Blogs können durch Werbung oder Kooperationen Einnahmen erzielen.
Allerdings ist deine Reichweite hier entscheidend. Der Aufbau einer Community dauert oft bis zu Jahre und erfordert kontinuierliche Präsenz. Regelmäßige Beiträge, Interaktion mit Followern und eine klare Positionierung sind notwendig, um sichtbar zu werden.
Nicht jeder, der gerne häkelt, hat auch Freude daran, ständig Inhalte für Social Media zu produzieren. Deshalb sollte man ehrlich prüfen, ob dieser Weg zur eigenen Persönlichkeit passt.
5. Workshops und Kurse anbieten
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Eine weitere Möglichkeit ist das Anbieten von Workshops oder Kursen. Das können Online-Kurse sein, aber auch Präsenz-Workshops oder Häkelabende für Anfänger.
Hier steht das Weitergeben von Wissen im Vordergrund. Der Vorteil liegt darin, dass man nicht nur ein Produkt verkauft, sondern ein Erlebnis mit persönlicher Begleitung. Gleichzeitig erfordert dies Organisation, Vorbereitung und teilweise auch technisches Know-how, insbesondere bei Online-Kursen. Auch hier gilt: Es ist eine echte Arbeit, keine spontane Nebenbeschäftigung. Wer regelmäßig Kurse anbietet und dafür Geld nimmt, betreibt kein Hobby mehr, sondern eine unternehmerische Tätigkeit und sollte sich auch hier entsprechend informieren und absichern.
Fazit und meine Erfahrungen
Auch ich verdiene mit dem Häkeln Geld, vor allem durch den Verkauf meiner Anleitungen, schreiben von Blogartikeln und gelegentlich durch individuelle Häkelanfertigungen. Davon leben kann ich jedoch nicht. Für mich ist es ein schöner Nebenverdienst, für den ich sehr dankbar bin.
All das läuft bei mir übrigens nicht einfach nebenbei privat, sondern über eine eigene Firma, die mein Mann und ich gemeinsam gegründet haben.
Ein Punkt, über den ich ebenfalls noch kurz sprechen möchte, sind meine Erfahrungen mit verschiedenen Plattformen.
Mit Etsy habe ich sowohl beim Verkauf von gehäkelten Figuren als auch von Häkelanleitungen leider keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Vor allem die Sichtbarkeit der eigenen Produkte ist dort sehr schwierig geworden, weil die Plattform inzwischen sehr überfüllt ist. Ohne zusätzlich Geld für Werbung auszugeben, werden viele Produkte kaum angezeigt. Für mich hat sich das finanziell nicht gelohnt, da ich am Ende mehr Geld für Werbung ausgegeben habe, als ich überhaupt auch nur Ansatzweise eingenommen habe.
Anders ist meine Erfahrung bei Crazypatterns. Dort konnte ich mit meinen Häkelanleitungen relativ schnell die ersten Verkäufe erzielen, auch wenn es am Anfang nur kleine Beträge waren. Seit ich meinen Store hier aktiver betreue und gelegentlich etwas Werbung schalte, die sich tatsächlich auch lohnt, haben sich meine Verkäufe spürbar verbessert.
Auch über Fiverr konnte ich einige Aufträge bekommen. Dort habe ich lediglich am Anfang etwas Werbung geschaltet, um erste Bewertungen zu erhalten. Nachdem ein paar Käufe und Bewertungen zusammenkamen, musste ich keine weitere Werbung mehr bezahlen. Allerdings bekomme ich dort nur sehr selten eine Buchung, vielleicht einmal alle paar Monate, sodass sich daraus für mich bisher kein wirklicher Gewinn ergibt.
Ich habe außerdem auch noch auf einigen anderen Plattformen versucht, meine Häkelanleitungen anzubieten. Dort kamen gar keine Käufe zustande, sodass sich der Aufwand für mich nicht gelohnt hat.
In Zukunft würde ich gerne noch weitere Schritte gehen. Zum Beispiel reizt es mich sehr einige meiner Anleitungen als Video-Tutorial umzusetzen. Auch den Verkauf von fertigenHäkelartikeln bei Märkten oder in einem eigenen Mietregal könnte ich mir gut vorstellen. Und natürlich wäre es spannend, einmal für größere Unternehmen Anleitungen zu entwerfen. Im Moment fehlen mir dafür jedoch die Möglichkeiten als auch die nötige Bekanntheit.
Social Media (Instagram) macht mir in dem Rahmen, in dem ich es aktuell nutze, schon Freude. Doch ich habe keine große Leidenschaft dafür, ständig Inhalte zu produzieren oder Reichweite um jeden Preis aufzubauen. Meine eigentliche Leidenschaft liegt im Häkeln selbst, im Entwerfen neuer Designs und im kreativen Arbeiten. Genau diesen Kern möchte ich mir bewahren, so dass ich noch lange Freude daran habe.
Schlusswort
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu lesen. Mich würde sehr interessieren, wie du darüber denkst. Möchtest du mit dem Häkeln Geld verdienen oder hast du vielleicht schon Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt? Teile deine Gedanken gerne in den Kommentaren mit.
Liebe Grüße Nancy
Von Silvisunflower ♡
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