Dreieckstücher habe ich schon viele gehäkelt...
Und auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Sache ziemlich eindeutig ist: Man häkelt ein Dreieck, macht es groß genug, legt es sich um die Schultern – fertig. 😄
Ganz so einfach ist es aber nicht.
Denn ein Dreieck kann beim Häkeln auf ganz unterschiedliche Weise entstehen.
Man kann an der unteren Spitze beginnen und das Tuch Reihe für Reihe immer breiter werden lassen, oder man fängt an einer völlig anderen Stelle an und lässt das Dreieck von dort wachsen.
Genau deshalb möchte ich mit euch heute nicht nur SALVIA häkeln.
SALVIA beginnt an der unteren Spitze. Anfangs sind die Reihen noch kurz, dann wird das Tuch mit jeder Reihe breiter. Ich mag diese Konstruktion, weil man dem Dreieck beim Entstehen regelrecht zusehen kann – und weil aus diesem winzigen Anfang irgendwann ein richtig großes Tuch wird.
Aber was passiert eigentlich, wenn wir das Dreieck einfach umdrehen?
Das schauen wir uns später noch genauer an.
Denn ich habe auch Tücher entworfen, die nach einem ganz anderen Prinzip entstehen: Dort liegt der Ausgangspunkt in der Mitte der späteren langen Oberkante, und das Dreieck wächst von dort nach unten und zu beiden Seiten.
Beides ergibt am Ende ein Dreieckstuch.
Der Weg dorthin ist aber ein völlig anderer.
Heute beginnen wir erst einmal ganz unten – mit der ersten kleinen Spitze von SALVIA.
Das Dreieckstuch SALVIA
SALVIA ist ein großes, luftiges Dreieckstuch, das an der unteren Spitze beginnt und von dort nach oben gearbeitet wird.
Das Muster besteht hauptsächlich aus Stäbchen und Luftmaschen. Durch die Zunahmen an beiden Seiten wird das Tuch mit jeder Wiederholung breiter – und aus dem kleinen Anfang entsteht nach und nach das große Dreieck.
Das Originaltuch misst ungefähr 195 × 93 cm.
Das brauchst du
Für das Originalmodell habe ich ggh Calypso in Farbe 1 verwendet.
Materialverbrauch:
ca. 250 g / 925 m
Häkelnadel: 3,0 mm
Außerdem brauchst du eine Wollnadel zum Vernähen und eine Schere.
Maschenprobe
22 Maschen = 10 cm breit
11 Reihen = 10 cm hoch
Bei einem Dreieckstuch ist die Maschenprobe natürlich etwas weniger gnadenlos als bei einem Pullover. 😄 Wenn dein Tuch ein paar Zentimeter größer oder kleiner wird, muss schließlich niemand hineinpassen.
Sie beeinflusst aber trotzdem die endgültige Größe und natürlich deinen Garnverbrauch.
Wenn du ein anderes Garn verwendest, würde ich deshalb zumindest darauf achten, dass Garnstärke und Maschenbild ungefähr zum Original passen.
Abkürzungen
Damit du dich in der Anleitung und in der Häkelschrift schnell zurechtfindest, findest du hier zunächst die verwendeten Abkürzungen:
LM – Luftmasche
FM – feste Masche
STB – Stäbchen
WLM – Wendeluftmasche
M – Masche
R – Reihe
[ … ] – die Angaben innerhalb der eckigen Klammern fortlaufend wiederholen.
Jetzt wird gehäkelt
SALVIA wird von der unteren Spitze nach oben in Reihen gearbeitet.
Wir beginnen mit einem kleinen Fadenring. Durch die regelmäßigen Zunahmen wird das Tuch anschließend immer breiter.
Die ersten beiden Reihen bilden den Anfang. Der eigentliche Mustersatz erstreckt sich über die Reihen 3-5 und wird anschließend fortlaufend wiederholt.
Damit du siehst, wie sich das Dreieck dabei erweitert, sind die Reihen 6-8 als erste Wiederholung ebenfalls vollständig ausgeschrieben.
1. Reihe
In einen Fadenring 3 LM + 6 STB arbeiten.
Arbeit wenden.
2. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB häkeln.
Anschließend fortlaufend:
[ 1 LM, 1 STB in das nächste STB der Vorreihe ]
bis zum Reihenende wiederholen.
Arbeit wenden.
3. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB, 3 LM und 1 STB in die 1. M der Vorreihe arbeiten,
4 LM,
1 STB in das 4. STB der Vorreihe – das ist das mittlere STB,
4 LM,
in die letzte M – die 3. LM des Ersatz-STB der Vorreihe – 1 STB, 3 LM und 1 STB arbeiten.
Arbeit wenden.
4. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB und 6 STB um den ersten LM-Bogen arbeiten,
4 LM,
1 FM in das mittlere STB der Vorreihe,
4 LM,
6 STB um den nächsten LM-Bogen und 1 STB in die letzte M – die 3. LM des Ersatz-STB der Vorreihe – arbeiten.
Arbeit wenden.
5. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB und 1 LM häkeln.
Anschließend jeweils 1 STB in das nächste STB der Vorreihe und 1 LM arbeiten, bis die FM der Vorreihe erreicht ist.
1 FM in die FM der Vorreihe und 1 LM arbeiten.
Danach wieder jeweils 1 STB in das nächste STB der Vorreihe und 1 LM arbeiten.
Zum Abschluss 1 STB in das letzte STB der Vorreihe arbeiten.
Arbeit wenden.
6. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB, 3 LM und 1 STB in die 1. M der Vorreihe arbeiten,
4 LM,
1 STB in das 4. STB der Vorreihe – das mittlere STB,
4 LM,
in die FM der Vorreihe 1 STB, 3 LM und 1 STB arbeiten,
4 LM,
1 STB in das 4. STB der Vorreihe – das mittlere STB,
4 LM,
in die letzte M 1 STB, 3 LM und 1 STB arbeiten.
Arbeit wenden.
7. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB und 6 STB um den ersten LM-Bogen arbeiten,
4 LM,
1 FM in das STB der Vorreihe,
4 LM,
7 STB um den nächsten LM-Bogen,
4 LM,
1 FM in das STB der Vorreihe,
4 LM,
6 STB um den letzten LM-Bogen und 1 STB in die letzte M arbeiten.
Arbeit wenden.
8. Reihe
3 WLM als Ersatz für das erste STB und 1 LM häkeln.
Anschließend jeweils 1 STB in das nächste STB der Vorreihe und 1 LM arbeiten, bis die erste FM der Vorreihe erreicht ist.
1 FM in die FM der Vorreihe und 1 LM arbeiten.
Danach wieder jeweils 1 STB in das nächste STB der Vorreihe und 1 LM arbeiten, bis die nächste FM erreicht ist.
1 FM in die FM der Vorreihe und 1 LM arbeiten.
Anschließend wieder jeweils 1 STB in das nächste STB der Vorreihe und 1 LM bis zum Reihenende arbeiten.
Zum Abschluss 1 STB in die letzte M arbeiten.
Arbeit wenden.
Auszug aus Häkelschrift
Zusätzlich zur ausgeschriebenen Anleitung kannst du dich an der Häkelschrift orientieren.
Gerade bei SALVIA finde ich sie besonders hilfreich, weil man dort etwas sieht, das sich mit Worten wesentlich umständlicher erklären lässt: wie sich das Dreieck mit jeder Wiederholung erweitert.
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So geht es weiter
Und jetzt ist das Prinzip eigentlich schon zu erkennen. 😄
Der Mustersatz erstreckt sich über die Reihen 3-5 und wird anschließend fortlaufend wiederholt. Die Reihen 6-8 zeigen dir bereits die erste Wiederholung.
Mit jeder weiteren Wiederholung kommt ein neuer Musterabschnitt hinzu und SALVIA wächst von der unteren Spitze aus immer weiter in die Breite.
Für die Größe des Originaltuchs wird der Mustersatz insgesamt 29-mal gearbeitet. Zusammen mit den beiden Anfangsreihen ergibt das insgesamt 89 Reihen.
Beendet wird SALVIA mit einer Reihe 5.
Das fertige Tuch misst bei der angegebenen Maschenprobe ungefähr 195 × 93 cm.
Du musst dich an diese Größe aber nicht unbedingt halten.
Möchtest du SALVIA etwas kleiner, kannst du entsprechend früher aufhören. Soll es ein richtig großes Tuch zum Einkuscheln werden, arbeitest du einfach noch weitere Mustersätze.
Denk dabei nur daran, dass sich mit der Größe natürlich auch der Garnverbrauch verändert.
Wenn deine Wunschgröße erreicht ist, vernähst du alle Fäden sorgfältig.
Anschließend würde ich SALVIA noch feucht spannen und vollständig trocknen lassen. Gerade bei dem luftigen Muster lohnt sich das: Die einzelnen Musterabschnitte können sich schön öffnen und das Dreieck bekommt seine endgültige Form.
SALVIA ist fertig
Eigentlich könnten wir an dieser Stelle also unsere Häkelnadel weglegen.
Aber wenn wir schon ein komplettes Dreieck von der Spitze aus gehäkelt haben, können wir uns noch eine Frage stellen:
Muss ein Dreieckstuch eigentlich immer an der Spitze beginnen?
Nein. 😄
Bei SALVIA haben wir ganz unten an der Spitze angefangen. Die ersten Reihen waren noch ziemlich überschaubar und mit jeder Wiederholung wurde unser Tuch breiter.
Das Dreieck ist also von unten nach oben gewachsen.
Wenn ihr schon mehrere Dreieckstücher gehäkelt habt, seid ihr aber wahrscheinlich auch schon einer anderen Konstruktion begegnet. Dabei beginnen wir nicht an der unteren Spitze, sondern in der Mitte der späteren langen Oberkante.
Von diesem kleinen Ausgangspunkt wächst das Tuch zu beiden Seiten nach außen und gleichzeitig immer weiter nach unten.
Am Ende liegt in beiden Fällen ein Dreieck vor uns.
Der Weg dorthin ist nur ein völlig anderer.
Zwei Wege – dieselbe Form
Am einfachsten lässt sich der Unterschied erkennen, wenn wir uns die beiden Konstruktionen nebeneinander vorstellen.
Bei SALVIA liegt der Anfang hier:
untere Spitze → nach oben → immer breiter
Wir starten mit wenigen Maschen. Durch die Erweiterungen werden die Reihen immer länger und das Dreieck wächst Stück für Stück in die Breite.
Bei der zweiten Konstruktion sitzt der Ausgangspunkt dagegen hier:
Mitte der späteren Oberkante → nach außen und unten → immer größer
Auch hier beginnen wir ganz klein. Während die Oberkante zu beiden Seiten länger wird, entsteht gleichzeitig immer mehr Tiefe – und damit nach und nach das Dreieck.
Und genau deshalb können zwei fertige Dreieckstücher auf den ersten Blick ganz ähnlich aussehen, obwohl sie beim Häkeln völlig unterschiedlich entstanden sind.
Was macht das mit dem Muster?
Und das finde ich eigentlich noch interessanter als die reine Form.
Denn mit der Konstruktion verändern wir natürlich auch die Richtung, in der sich unser Muster über das Tuch entwickelt.
Bei SALVIA baut es sich von der unteren Spitze aus immer weiter auf. Mit jedem neuen Mustersatz kommt mehr Breite hinzu.
Beginnen wir dagegen in der Mitte der langen Oberkante, breitet sich das Muster symmetrisch nach beiden Seiten und gleichzeitig nach unten aus.
Gerade bei Lochmustern kann das einen ziemlich großen Unterschied machen. Und bei einem Farbverlauf wird es noch spannender, weil auch der Verlauf der Farben der jeweiligen Konstruktion folgt.
Deshalb lohnt sich bei einer Dreieckstuch-Anleitung durchaus ein zweiter Blick.
Nicht nur:
Gefällt mir das fertige Tuch?
Sondern auch:
Wo fange ich eigentlich an – und in welche Richtung werde ich häkeln?
Ein Beispiel für die andere Richtung: BioTronik
Bei meinen BioTronik-Tüchern habe ich genau diese zweite Konstruktion verwendet.
Hier beginnt das Dreieck in der Mitte der späteren langen Oberkante und wächst von dort nach außen und nach unten.
Das lässt sich zum Beispiel bei BioTronik #1 schon am Anfang der Anleitung gut erkennen: Gestartet wird mit einem kleinen Ring aus 5 Luftmaschen. Bereits in der ersten Reihe werden mehrere Maschengruppen in diesen Ring gearbeitet, aus denen sich anschließend das Dreieck entwickelt.

Wenn ihr diese Art der Konstruktion einmal selbst ausprobieren möchtet, findet ihr mehrere Beispiele in meiner BioTronik Collection:
👉 Häkelanleitung Bundle für Dreieckstücher | BioTronik Collection
Die verschiedenen BioTronik-Anleitungen sind natürlich auch einzeln erhältlich – die Collection verlinke ich euch hier einfach, weil ihr dort die unterschiedlichen Designs schön zusammen sehen könnt.
Und welche Konstruktion ist besser?
Keine. 😄
Es sind einfach zwei unterschiedliche Wege zum Dreieck.
Bei SALVIA mag ich, dass wir wirklich an dieser kleinen unteren Spitze anfangen und anschließend dabei zusehen können, wie das Tuch immer größer wird.
Bei der zweiten Konstruktion gefällt mir wiederum, wie sich das Dreieck von seiner oberen Mitte aus gleichzeitig zu beiden Seiten entwickelt.
Und manchmal gibt ohnehin das Muster vor, welcher Aufbau besser funktioniert.
Aber wenn ihr das nächste Mal eine Anleitung für ein Dreieckstuch in der Hand habt, schaut vielleicht einmal genauer hin, wo die ersten Maschen eigentlich sitzen.
Denn wenn man die Konstruktion dahinter einmal verstanden hat, sieht man ein Dreieck plötzlich ein bisschen anders.
Und damit wären wir bei unserem kleinen Aha für diesen Artikel:
Dreieck ist eben doch nicht gleich Dreieck. 😉
🧶 Jetzt seid ihr dran!
Vielleicht häkelt ihr SALVIA genauso wie das Original und lasst euer Dreieck von der unteren Spitze aus wachsen. Vielleicht macht ihr es ein bisschen kleiner – oder gleich so groß, dass man sich wunderbar darin einwickeln kann. 😄
Und vielleicht habt ihr nach unserem kleinen Ausflug in die Konstruktion jetzt Lust bekommen, beim nächsten Dreieckstuch einmal von der Mitte der langen Oberkante aus zu starten und auszuprobieren, wie anders sich das beim Häkeln anfühlt.
Wie auch immer euer SALVIA am Ende aussieht: Spielt mit Garnen, Farben und Größe und macht genau das Tuch daraus, das zu euch passt. 💛
📸 Wenn ihr SALVIA häkelt, zeigt mir eure fertigen Werke gerne hier auf CrazyPatterns.
Ich freue mich immer riesig zu sehen, wie unterschiedlich ein und dieselbe Anleitung umgesetzt wird – welche Farben ihr auswählt, welche Garne ihr verwendet und wie groß euer Tuch am Ende geworden ist.
✨ Und wenn euch meine Beiträge gefallen, freue ich mich natürlich sehr, wenn ihr mir hier auf CrazyPatterns folgt. So verpasst ihr keine neuen #GratisMaschen mit kostenlosen Strick- und Häkelanleitungen und keine neuen Beiträge aus #WissensMaschen mit Tipps, Ideen und praktischem Wissen rund ums Stricken und Häkeln.
🧡 Vielleicht entdeckt ihr ja auch noch weitere Beiträge in meinem CrazyPatterns-Blog oder eine passende Anleitung in meinem Shop.
Ich wünsche euch ganz viel Freude beim Häkeln, Ausprobieren – und natürlich mit eurem ganz persönlichen SALVIA.
Alles Liebe
Kathrin mit Emma & Muki
Fotos, Designs & Inhalte © Kathrin | stricken-im-trend.com

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