Es war wieder eine dieser Nächte. Ihr kennt sie vielleicht: Es ist drei Uhr morgens. Die Welt schläft, nur mein Gehirn feiert eine wilde Party und mein Körper schmerzt so sehr, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Mein Kopf war ein einziges Wollknäuel aus wirren Gedanken, Sorgen und dieser typischen, dezenten nächtlichen Verzweiflung.
In meiner Not tat ich das Einzige, was mir noch blieb: Ich schickte ein Stoßgebet nach oben. Und ich war ehrlich. Kein geschminktes Sonntagsgebet, sondern ein echtes:
„Jesus, ganz ehrlich: Ich kann nicht mehr. Ich liege hier wach, mein Körper streikt, ich kann keiner Arbeit nachgehen und ich fühle mich einfach nur leer. Ich brauche irgendwas, das mich runterbringt. Irgendeine Aufgabe für mich. Bitte, gib mir ein Zeichen!“
Ich hatte mit vielem gerechnet. Einem plötzlichen Müdigkeitsanfall zum Beispiel. Oder einer warmen Decke des Friedens. Aber der Herr hat bekanntlich Humor. Die Antwort, die sich plötzlich wie ein Geistesblitz in mein Herz bohrte, war glasklar: „Häkeln.“
Ich starrte die Zimmerdecke an. Häkeln? Dein Ernst, Herr? Das, was Oma immer macht, während sie den Fernsehgarten schaut?
Aber der Gedanke ließ mich nicht los. Es war, als hätte Jesus gesagt: „Kind, du kannst vielleicht gerade nicht der Welt hinterherrennen. Aber du kannst dich hinsetzen. Und du kannst diesen Faden aufnehmen.“
Aller Anfang ist... ein verunglücktes Spinnennetz
Da ich nachts schlecht im Wollladen einbrechen konnte, musste der nächste Tag herhalten. Ich besorgte mir Wolle und eine Nadel. Mein erster Versuch? Nun ja, sagen wir es so: Gott hat die Welt in sechs Tagen erschaffen und es war sehr gut. Ich habe an Tag eins versucht, eine Luftmaschenkette zu häkeln, und es war... ein Verbrechen an der Textilindustrie.
Es sah ehrlicherweise eher nach einem verunglückten, betrunkenen Spinnennetz aus als nach irgendetwas Brauchbarem. Wenn ihr euch das Bild auf meinem Blog anschaut – die linke Seite mit dem verzweifelten Blick und dem totalen Knotensalat? Das war ich. Eins zu eins. Ich saß da, den Tränen nahe, und dachte: „Jesus, ich habe dich wohl missverstanden. Du meintest bestimmt nicht häkeln, sondern... wegschmeißen.“
Aber der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge – oder löst eben Knoten. Ich atmete tief durch, vertraute darauf, dass dieser nächtliche Impuls kein Zufall war, und blieb dran. Masche für Masche.
Das Wunder der Maschen: Meine Therapie und meine Arbeit
Und dann passierte das eigentliche Wunder. Es ging nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt veränderte sich alles. Aus dem Frust wurde Routine. Aus der Routine wurde Leidenschaft. Und aus der Leidenschaft wurde mein ganz persönliches Erfolgerlebnis (genau wie auf der rechten Seite meines Blogbildes!).
Heute ist das Häkeln für mich so viel mehr als nur ein Hobby:
-
Es ist meine Therapie: Wenn die chronische Krankheit mich wieder ans Bett oder Sofa fesselt, flüchte ich nicht mehr in die Frustration. Ich nehme die Nadel. Das gleichmäßige Vor und Zurück beruhigt mein Nervensystem mehr als jedes Medikament.
-
Es ist mein Job ohne Druck: Ich kann arbeiten, wenn mein Körper es zulässt. Wenn ich nachts um drei fit bin, häkle ich. Wenn ich tagsüber elf Stunden schlafen muss, ruht die Nadel. Kein Chef schimpft, kein Arbeitsamt drängelt.
-
Es ist mein Gottesdienst: Bei jeder Masche, die ich häkle, rede ich mit Jesus. Ich danke ihm dafür, dass er mir eine kreative Gabe geschenkt hat, die trotz meiner körperlichen Grenzen funktioniert. Aus einem "Ich kann nichts" wurde ein "Schau mal, was ich erschaffen habe!".
Fäden des Glaubens
Wenn ich heute meine fertigen Werke anschaue – ob es nun eine gemütliche Mütze, eine Tasche oder ein kleines Amigurumi-Tierchen ist –, dann sehe ich darin Gottes Treue. Er hat mich nicht gesundgezaubert (mein Körper hat immer noch seine Macken), aber er hat mir mitten in meiner Schwachheit eine Tür geöffnet. Er hat mein Wollknäuel im Kopf genommen und etwas Wunderschönes daraus gewoben.
Wer braucht schon Schafe zählen, um einzuschlafen, wenn man direkt mit dem guten Hirten Wolle verarbeiten kann?
Falls du also auch gerade in einer Sackgasse steckst, chronisch krank bist oder dich fragst, was dein Platz im Leben ist: Bring es vor Jesus. Und sei bereit für Antworten, mit denen du im Leben nicht gerechnet hast. Wer weiß, vielleicht liegt deine Berufung ja auch nur eine Häkelnadel weit entfernt!
Schreibt mir unbedingt in die Kommentare: Habt ihr auch eine kreative Leidenschaft, die euch durch schwere Zeiten hilft? Oder habt ihr auch schon mal so eine skurrile Gebetsantwort bekommen? Ich bin gespannt!