Ein Hauch Geschichte, neu interpretiert: Für meinen aktuellen Beitrag habe ich einen Rüschenschal gehäkelt. Inspiriert vom klassischen Jabot, aber alltagstauglich umgesetzt. Der Begriff Jabot stammt aus dem Französischen und bedeutet ursprünglich „Kropf“ oder „Vogelkropf“. Die Bezeichnung spielt auf die bauschige, herabfallende Form des Stoffbesatzes an, die an das aufgeplusterte Brustgefieder eines Vogels erinnert.
Bei der Materialauswahl habe ich mich für eine Mischung aus Baumwolle und einem kleinen Anteil Wolle entschieden. Diese Mischung macht ihn angenehm tragbar und sorgt für eine schöne Struktur.
Gearbeitet ist er überraschend schnell, an einem Wochenende kann Stück für Stück ein lebendiges Accessoire entstehen, bei dem es dank verschiedener Muster nie langweilig wird.
Der Jabot ist ein dekorativer Rüschen- oder Spitzenbesatz, der vorne am Hemd oder an der Bluse befestigt wird. Sein Praktischer Nutzen besteht früher darin, die Knopfleiste des Hemdes zu kaschieren. Besonders modern ist er im 17. und 18. Jahrhundert, vor allem im französischen Adel unter König Ludwig XIV. In dieser Zeit gilt der Jabot als Zeichen von Wohlstand und Eleganz und ist fester Bestandteil höfischer Mode für die Herren. Der Jabot besteht aus Spitze und ist dementsprechend wertvoll. Später taucht er immer wieder in der Damenmode des 19. Jahrhunderts sowie in abgewandelter Form in der Mode des frühen 20. Jahrhunderts auf. Die Herrenmode ändert sich und der Jabot wird immer mehr von der Krawatte verdrängt.
Heute wird der Jabot vor allem in der traditionellen Amtstracht getragen, etwa von Richterinnen und Richtern oder bei feierlichen akademischen Anlässen.
Darüber hinaus hat die Handarbeitsszene ihn neu für sich entdeckt: Als trendiges Accessoire, individuell gestaltet und kreativ kombiniert, etwa zu schlichten Blusen oder Kleidern als modisches Statement.
Auf vielen Plattformen im Internet werden entsprechende Strick- und Häkelanleitungen angeboten. Ich freue mich riesig, hier mein eigenes Design für einen Jabot vorzustellen.
Material:
100 g creative Painted Power Cotton von Rico Design
Zusammensetzung: 59% Baumwolle, 26% Polyacryl, 8% Wolle und 7% Polyamid.
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Jedes Knäuel enthält 100 Gramm und hat eine Lauflänge von ca. 310 Meter.
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Es wird empfohlen, mit 5 mm Nadeln zu stricken. Ich habe hier eine 4 mm Häkelnadel genommen.
Farbe: Deep ocean
Pflegehinweis:
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In der Waschmaschine bei maximal 30ºC waschen.
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Nicht bügeln.
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Nicht im Trockner trocknen.
Das von mir gewählte Garn fühlt sich angenehm weich auf der Haut an und kratzt nicht. Besonders für empfindliche Bereiche wie den Hals ist die Wahl des richtigen Materials entscheidend, um einen hohen Tragekomfort zu gewährleisten.
Es eignet sich jedes andere Garn mit einer ähnlichen Lauflänge und Nadeslstärke.
Größe:
Der Jabot hat eine Länge von 112 cm, die Rüschen haben eine Länge von 44 cm. Die Höhe insgesamt beträgt 12 cm.
Im Folgenden wird beschrieben, wie Du den Jabot individuell und passgenau an Deine Maße anpassen kannst.
A) Arbeitsschritt: Das Band
Beginne mit dem Band. Das Band meines Jabots ist 112 cm lang und hat eine Breite von 2 cm. Es ist gerade lang genug um eine kleine Schleife zu binden. Soll die Schleife für Deinen Jabot größer sein, verlängere das Band entsprechend. Das Band wird in Hin- und Rückreihen gehäkelt. Jede Reihe beginnt mit einer Steigeluftmasche. Nach jeder Reihe wird das Band gewendet.
Luftmaschenanschlag von 170 Luftmaschen,
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Reihe: 1 Steigeluftmasche, Kettmaschen bis zum Ende der Reihe, Arbeit wenden.
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Reihe und jede weitere Reihe: 1 Steigeluftmasche, Kettmaschen bis zum Ende der Reihe, Arbeit wenden.
Arbeite insgesamt 8 Reihen. Faden sichern und abschneiden. Möchtest Du ein breiteres Band haben, dann häkle entsprechend mehr Reihen.
B) Arbeitsschritt: Die oberen Rüschen
Ermittle die Mitte des Bandes und markiere sie mit einem Maschenmarkierer oder einer Sicherheitsnadel. Alternativ kannst Du auch einen Faden in einer kontrastierenden Farbe verwenden. Die Mitte kannst Du entweder durch Abzählen der Maschen ermitteln oder Du legst die beiden Enden des Bandes aufeinander.
Hast du die Mitte Deines Bandes markiert, zähle 34 Maschen nach rechts und markiere diese Position wie oben beschrieben. Das gleiche machst Du von der Mitte aus in die andere Richtung und makierst auch diese Masche.
Die oberen Rüschen bestehen aus 2 gehäkelten Reihen. Es wird in Hin- und Rückreihen gearbeitet.
Schlinge den Faden an einer äußeren Markierung neu an. Arbeite nach Häkelschrift I.
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Reihe: 1 Steigeluftmasche, 67 feste Maschen zwischen den beiden äußeren Markierungen. Arbeit wenden.
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Reihe: 3 Steigeluftmaschen, in jede feste Masche der Vorreihe 4 Stäbchen häkeln. Fade abschneiden und sichern.
Tipp: Überprüfe die Größe Deines Jabots. Lege das Band um den Hals und korrigiere die Anzahl der Maschen für die Rüschen. Der Jabot sollte nicht zu eng anliegen. Das könnte sich zu einengend anfühlen. Häkelst du den Jabot zu weit, dann kannst Du ihn nur schlecht mit dem Band zusammenbinden. Die Rüschen sollten sich möglichst nicht überlappen. Arbeite sie auf Stoß.
C) Arbeitsschritt: Die unteren Rüschen
Die unteren Rüschen sind wesentlich voluminöse und größer. Siehe Häkelschrift II.
Markiere auch hier die Maschen auf die gleich Art und Weise wie bei den oberen Rüschen. Sie liegen genau auf der gegenüberliegenden Seite des Bandes.
1. Reihe:
Faden neu anschlingen, 3 Steigeluftmaschen, * 1 Luftmasche, 2 Stäbchen zusammenhäkeln, ab * wiederholen bis zur letzten Markierung. Arbeit wenden.
2. Reihe:
* 5 Luftmaschen, 1 Kettmasche in die zusammengehäkelten Stäbchen der Vorreihe, ab * wiederholen bis zum Ende der Reihe. Arbiet wenden.
3. Reihe:
(3 Steigeluftmaschen, 2 Stäbchen , 3 Luftmaschen, 3 Stäbchen) um den ersten Luftmaschenbogen, * 2 Luftmaschen, 1 Kettmasche um den nächsten Luftmaschenbogen der Vorreihe, 2 Luftmasschen, (3 Stäbchen, 3 Luftmaschen, 3 Stäbchen) um den nächsten Luftmaschenbogen, ab * bis zum Ende der Reihe. Arbeit wenden.
4. Reihe:
1 Steigeluftmasch, feste Maschen bis zum Ende der Reihe. Dabei um jeden Luftmaschenbogen der Vorreihe 5 feste Maschen arbeiten. Arbeit wenden.
5. Reihe:
3 Steigeluftmaschen, Stäbchen bis zum Ende der Reihe. Dabei die 3 mittleren Stäbchen eines jeden Bogens verdoppeln.
Faden sichern, abschneiden und vernähen.
Häkelschrift I:

Häkelschrift II: zeigt die unteren Rüschen nur ausschnittweise.

Legende:
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Steigeluftmasche |
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feste Masche |
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4 Stäbchen in die gleiche Einstichstelle |
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Stäbchen |
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Kettmasche |
Wem diese Art von Schal oder Nackenwärmer zu verspielt ist und es lieber schlichter mag, schaut sich gerne in meinem Store Blickfang-Design um. Dort findest Du weitere Inspirationen.
Beispielsweise der Steckschal Grace. Hier geht’s zur Anleitung:
oder Häkelanleitung Kragenschal Gertrude - ein Blickfang: zur Anleitung
Vielleicht magst Du lieber ein klassisches Häkeltuch, dann schau Dir meine Häkelanleitung Minituch Nellie an. zur Anleitung
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Viel Spaß beim Nacharbeiten Deines Jabots und viel Freude beim Tragen.
Birte



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