Der Fußschlingenanschlag (= FSA) ist eine besondere Methode, um ein Häkelstück zu beginnen. Im Gegensatz zur klassischen Luftmaschenkette entsteht hier gleichzeitig eine stabile Anschlagkante und bereits die erste Reihe. Das Ergebnis ist meist elastischer und fügt sich oft harmonischer ins Maschenbild ein.
Gerade bei Kleidungsstücken oder Konstruktionen mit Aussparungen ist der Fußschlingenanschlag eine sehr praktische Alternative zur normalen Luftmaschenkette.
Was ist der Fußschlingenanschlag ?
Beim Fußschlingenanschlag werden die Maschen nicht auf einer Luftmaschenkette aufgebaut. Stattdessen entsteht jede neue Masche direkt aus der vorherigen.
Man erhält dadurch:
• eine elastische Anschlagkante
• ein gleichmäßiges Maschenbild
• eine fertige erste Reihe
• bei Aussparungen wie z.B. eingearbeiteten Taschen, eine Kante, die sich gut ins Muster einfügt
Viele empfinden diese Technik auch als angenehmer, weil das Einstechen in eine enge Luftmaschenkette entfällt und sich nichts verdreht.
Wann ist der Fußschlingenanschlag (= FSA) sinnvoll?
Der Fußschlingenanschlag wird nicht nur für klassische Anschläge verwendet, sondern auch überall dort, wo innerhalb eines Häkelstücks neue Maschen entstehen müssen.
Typische Einsatzbereiche:
• Unterkanten von Kleidung (von unten gearbeitet)
• Bündchen
• Halsausschnitte
• Erweiterungen innerhalb eines Häkelstücks
• direkt eingearbeitete Taschen
Besonders wichtig ist der Fußschlingenanschlag überall dort, wo Maschen übersprungen und später neu angeschlagen werden müssen, zum Beispiel:
• bei bestimmten Halsausschnitt-Konstruktionen
• bei Armloch-Aussparungen (seitliche Konstruktionen von Kleidung)
• bei eingearbeiteten Taschenöffnungen
• bei direkt angesetzten Ärmeln
Wenn solche Öffnungen mitten im Häkelstück liegen, ist eine Luftmaschenkette oft zu unelastisch oder fügt sich optisch nicht gut ein. Der Fußschlingenanschlag sorgt hier dafür, dass:
• die Elastizität erhalten bleibt
• das Muster korrekt weitergeführt werden kann
• sich die neue Maschenreihe harmonisch einfügt
Gerade bei eingearbeiteten Taschen ist das wichtig, da sich die Öffnung mitten im Häkelstück befindet und sich bewegen können soll.
Vorteile gegenüber der Luftmaschenkette:
• elastischer Rand
• Die Anschlagkante kann besser nachgeben.
• sauberes Maschenbild
• Die erste Reihe wirkt oft gleichmäßiger.
• direkter Übergang ins Muster
Gerade bei Konstruktionen mit Aussparungen lässt sich das Muster oft einfacher fortführen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Der Ablauf ist unabhängig von der Maschenart (feste Maschen, halbe Stäbchen, Stäbchen) sehr ähnlich.
1. Anfangsschlinge bilden
Eine normale Anfangsschlinge auf die Nadel legen und eine Luftmasche (= LM) häkeln. Diese zählt auch als eure erste Fußschlinge! (Bild 1 + 2)
Nun die Basis Luftmaschen für eure Maschenart anschlagen.
a) Feste Maschen: Anfangsschlinge + 1 weitere LM (Bild 3)
b) Halbe Stäbchen: Anfangsschlinge + 2 weitere LM (Bild 4)
c) Stäbchen: Anfangsschlinge + 3 weitere LM (Bild 5)
d) Doppelstäbchen: Anfangsschlinge + 4 weitere LM (Bild 6)
e) Etc…
Diese Luftmaschen ersetzen eure erste Masche. Die allererste Anfangsluftmasche ist eure Fußschlinge (siehe Maschenmarkierer)

2. Erste Masche häkeln
Nun wird in der auserwählten Maschenart gehäkelt (z. B. feste Masche oder Stäbchen).
Dabei muss nun folgendes beachtet werden:
(In den Beispielbildern werden nun Stäbchen im FSA verwendet.)

Bild 1: Umschlag auf die Nadel nehmen, in die erste LM (mit Maschenmarkierer gekennzeichnet) einstechen und Faden wie zu einem Stäbchen (= Stb) herausholen: 3 Schlingen auf der Nadel.
Bild 2: Nun eine Luftmasche durch die erste der 3 Schlingen häkeln (Prinzip wie bei verlängerten Stb/Patentstäbchen).

Bild 3: Diese neue LM habe ich hier mit dem rosafarbenen Maschenmarkierer (= MM) gekennzeichnet.
Bild 4+5: Das Stäbchen normal beenden.
3. Einstichstelle finden
Seitlich bzw. unten an der gerade gehäkelten Masche befindet sich der sogenannte „Fuß“, den wir mit unserer LM kreiert haben und mit dem rosafarbenen MM gekennzeichnet haben. Dort wird nun eingestochen.
Die Bilder zeigen, wie und wo eingestochen wird und welchen Fehler man vermeiden soll:

Bild 6: Markierte Fußschlinge mit Hinterfaden: wenn man eine LM häkelt entsteht immer ein Hinterfaden. Es wird also die untere Schlinge plus der Hinterfaden benutzt.
Bild 7: Einstechen mit der Nadel durch beide Schlingen.
Bild 8: Hier wurde nur durch eine Schlinge gestochen: Achtung falsch!
Bild 9: Hier wird nochmals verdeutlicht, wie nicht nur die untere Schlinge, sondern auch der Hinterfaden mitbenutzt werden muss.
4. Hinterfaden

Bild 10: Der Hinterfaden ist der Faden, den ihr durch die Schlaufe zieht, wenn ihr eine LM häkelt. Er liegt hier im Bild über dem MM und zeigt, wie somit beim neuen Einstechen in die Fußschlinge die schönen Maschen entstehen.
Bild 11: 3SLM + fünf fertige Stb im FSA
5. Wiederholen
Nun immer wieder in den „Fuß“ der zuletzt gehäkelten Masche einstechen, bis die gewünschte Maschenzahl erreicht ist.
Wichtige Tipps aus der Praxis:
Spannung ist sehr individuell:
Beim Fußschlingenanschlag gibt es kein „richtig“ oder „falsch“ bezüglich der Festigkeit.
Manche häkeln den Anschlag zu fest – andere eher zu locker. Beides kommt häufig vor.
Deshalb lohnt es sich, vor dem eigentlichen Projekt einen kleinen Test zu machen:
10–20 Maschen mit dem Originalgarn anschlagen, das Ergebnis anschauen und leicht dehnen.
So merkt man schnell, ob die Spannung passt.
Nadelstärke anpassen:
Oft funktioniert der Fußschlingenanschlag am besten mit einer etwas kleineren Nadelstärke.
Zum Beispiel:
Muster mit 3,5 mm - Fußschlingenanschlag mit 3,0 mm
Eine halbe Nadelstärke weniger ergibt häufig eine stabilere und gleichmäßigere Kante.
Typische Anfängerschwierigkeiten:
Unregelmäßige Maschen:
Gerade am Anfang sind die Maschen oft unterschiedlich groß.
Das ist völlig normal und wird mit etwas Übung besser.
Falsche Einstichstelle:
Wenn nicht in den richtigen Maschenfuß eingestochen wird, kann die Kante unruhig werden.
Wichtig ist, immer durch beide Fußschlingen zu stechen.
Zu wenig Testen:
Oft zeigt sich erst beim Probieren, welche Nadelstärke am besten funktioniert.
Ich häkle tendenziell locker, weshalb ich eine halbe NS weniger verwende. Wer eher fest häkelt, sollte dieselbe NS wie für das Muster oder eine halbe NS mehr verwenden.
Maschen während des Häkelvorgangs hinzufügen:
Beispiel Ärmel:
Wenn man z.B. einen Pullover von unten beginnt und nun direkt die Ärmel anhäkeln möchte, kann man wie folgt den FSA benutzen:
Bild 1: Hier sollen auf der linken Vorderseite Maschen für einen Ärmel direkt am Ende einer Reihe zusätzlich angeschlagen werden.
Dafür die Häkelarbeit um 90° drehen.
Bild 2: Einen Umschlag auf die Nadel nehmen und in dieselbe zuletzt behäkelte M nochmals einstechen und eine Schlinge herausholen.
Bild 3: Schritt 2 vom FSA arbeiten: eine Luftmasche durch die letzte Schlinge der Nadel arbeiten. Dies wird zu eurer neuen Fußschlinge (für die nächste Masche).
Bilder 4+5: Das Stb wie gewohnt beenden.

Bild 6: Umschlag für das neue Stb holen.
Bild 7: Nun in den neu entstandenen Fuß des letzten Stb einstechen.
Bild 8: Faden herausholen.
Bild 9: Neuen „Fuß“ durch eine extra LM bilden.
Bild 10: Stb wie gewohnt beenden.
Bild 11: Wachsende Stb im FSA.

Fazit
Der Fußschlingenanschlag ist eine vielseitige Technik, die besonders bei Kleidung und konstruktiven Details große Vorteile bietet.
Er eignet sich nicht nur für Anschlagkanten, sondern vor allem auch für Aussparungen und neu angeschlagene Maschen innerhalb eines Häkelstücks, wenn Elastizität und ein sauberes Maschenbild wichtig sind.
Die saubere Anschlagkante sorgt nicht nur für ein gleichmäßiges Maschenbild, sondern erleichtert auch das spätere Anhäkeln oder Verlängern des Häkelstücks, da sich die Kante wie eine normale Maschenreihe behäkeln lässt.
Mit etwas Übung wird der Fußschlingenanschlag schnell zu einem sehr wertvollen Werkzeug beim Häkeln.
Ich wünsche euch viel Freude beim Ausprobieren des Fußschlingenanschlags. Wenn ihr mögt, schaut gern auch in meinem Shop vorbei – dort findet ihr viele weitere Anleitungen und auch einige Gratisanleitungen zum Kennenlernen.
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Vielen lieben Dank dafür. 💛