Die Doubleface Stricktechnik erlebt seit einiger Zeit einen richtigen Aufschwung – überall entstehen neue, wunderschöne Designs, die Lust aufs Ausprobieren machen. Der Einstieg kann anfangs eine kleine Herausforderung sein und verlangt etwas Geduld. Mit diesen Tipps möchte ich Dich begleiten, damit Du diese besondere Technik Schritt für Schritt sicher beherrschst und viel Freude an Deinen Doubleface Projekten findest.
Wenn Du zur Einstimmung vor der Lektüre dieses Blog-Beitrags eine Vorstellung dafür bekommen möchtest, was mit Doubleface alles möglich ist, wirf gern einen Blick in meine Kollektion speziell für Doubleface Strickanleitungen:
Doubleface Strickanleitungen von a-mano
Dieser Blog-Beitrag richtet sich an alle Anfänger von Doubleface, die gerade ihre ersten Versuche starten, bestimmt schon auf die eine oder andere Herausforderung gestossen sind und sich weiter verbessern wollen. Aber auch Doubleface Fortgeschrittene finden vielleicht noch einen Tipp oder eine Bestätigung, dass sie auf dem richtigen Weg sind.
Auf die praktischen Grundlagen, wie die Doubleface Stricktechnik funktioniert, gehe ich in diesem Blog nicht gesondert ein. Hier findest Du eine ausführliche, kostenlose Grundlagen-Anleitung mit einem kleinen Überraschungsprojekt zum Üben:
Doubleface Grundlagen mit einer kleinen Überraschung
Als ich vor mehr als zehn Jahren mit dem Doubleface Stricken begann, war diese Technik noch ein Geheimtipp. Vieles musste ich mir mühsam aus unterschiedlichen Quellen zusammensuchen – und vor allem durch Ausprobieren lernen: Fehler machen, verstehen, verbessern, wieder neu beginnen. Weil mir oft passende Vorlagen oder Designs fehlten, habe ich schon bald angefangen, eigene Entwürfe zu zeichnen, in Strickschemas zu übertragen und nachzustricken. So entstanden meine ersten Doubleface Anleitungen.
Heute ist der Einstieg in diese Technik deutlich komfortabler. Es gibt zahlreiche schriftliche Anleitungen für die Grundlagen, unzählige Videos und eine große Vielfalt an wunderschönen Designs verschiedener Designer. Trotzdem bleibt der Anfang eine kleine Herausforderung, denn Doubleface erfordert Geduld, Übung und ein Gefühl für den Rhythmus der Technik. Um Dir diesen Weg zu erleichtern und Dir die Faszination des Doubleface Strickens näherzubringen, möchte ich hier meine wertvollsten Tipps mit Dir teilen:
Tipp 1 – Fadenhaltung
Die richtige Fadenhaltung ist entscheidend für ein gleichmäßiges Maschenbild. Wenn Du nun hoffst, dass es die eine perfekte Methode gibt, muss ich Dich ein wenig enttäuschen – denn genau das ist sehr individuell und jede Strickerin, jeder Stricker muss die für sie / ihn beste Variante herausfinden. Es gibt viele Möglichkeiten: beide Fäden über den linken Zeigefinger, jeden Faden über einen anderen Finger, das Arbeiten mit einem Strickfingerhut und vieles mehr. Probiere aus, womit Du am besten zurechtkommst.
Lass Dich nicht verunsichern, wenn jemand behauptet, die einzig wahre Lösung gefunden zu haben – die gibt es nicht. Die richtige Fadenhaltung ist immer diejenige, mit der DU die Fadenspannung am besten kontrollieren kannst. Das bedeutet: ausprobieren, vergleichen, anpassen.
Am Anfang fühlt sich das Stricken mit den beiden Fäden ungewohnt und schwierig an, doch mit der Zeit wird es immer leichter. Denk einmal zurück an Deine allerersten Strickversuche – die waren sicher auch nicht sofort perfekt, oder?
Tipp 2 – der Rhythmus / Maschenpaare
Das Grundprinzip des Doubleface‑Strickens besteht darin, zwei Seiten gleichzeitig zu arbeiten – beide erscheinen glatt rechts. Damit das gelingt, denkt man beim Doubleface immer in Maschenpaaren: eine rechte Masche für die aktuelle Vorderseite und eine linke Masche für die aktuelle Rückseite. Diese beiden Maschen gehören untrennbar zusammen und bilden den festen Rhythmus dieser Technik. Er bleibt während des gesamten Strickens unverändert.
Tipp 3 – Fadenführung beim Stricken
Bei jeder rechten Masche führst Du beide Fäden hinter die Arbeit:

Bei jeder linken Masche führst Du beide Fäden vor die Arbeit:

So verschwindet der jeweils nicht benötigte Faden zwischen den beiden Seiten.
Tipp 4 – Kleinere Nadelstärke verwenden
Für ein schönes, kompaktes Maschenbild ist eine möglichst feste Strickweise entscheidend. Gerade am Anfang kann die richtige Fadenspannung jedoch noch schwerfallen, deshalb lohnt es sich, mit einer kleineren Nadelstärke zu arbeiten. Probiere aus, ob bei Dir eine halbe oder sogar eine ganze Nadelstärke weniger das Maschenbild dichter und gleichmäßiger macht. Nach meiner Erfahrung gibt es beim Doubleface kaum ein „zu klein“ – für eine Therapiedecke habe ich sogar schon Baumwolle mit einer Lauflänge von 70 m / 50 g auf 2,5‑mm‑Nadeln gestrickt.
Vielleicht denkst du: Das Gestrick wird durch die zwei Seiten ohnehin doppelt so dick – dann stricke ich lieber etwas luftiger mit größeren Nadeln. Genau das solltest Du beim Doubleface lieber vermeiden. Wenn Du ein leichtes, luftiges Strickstück möchtest, ist diese Technik nicht die richtige Wahl. Fest gestrickte Maschen sorgen dafür, dass das Maschenbild gleichmäßiger wird, das Motiv klar hervortritt und das fertige Stück auch nach vielen Wäschen seine Form behält. Und wenn Du schon so viel Zeit und Liebe in ein aufwändiges Projekt investierst, soll es doch richtig schön werden und Dir lange Freude machen.
Tipp 5 – Arbeite nach einem Strickschema
Das klassische Doubleface‑Stricken basiert auf einem Strickschema, in welchem das Strickmotiv dargestellt wird. Ein Kästchen steht dabei immer für ein Maschenpaar – eine rechte Masche für die aktuelle Vorderseite und eine linke Masche für die aktuelle Rückseite. Das Kästchen zeigt durch ein Symbol oder eine Farbe an, mit welcher Farbe (Hauptfarbe / Kontrastfarbe) dieses Maschenpaar gestrickt wird.
Ein professionelles Strickschema zeigt eine klare Nummerierung der Maschen und Reihen und erleichtert das Zählen durch dickere Trennlinien z.B. nach jeweils 5 oder 10 Kästchen.
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Manchmal werden Doubleface Motive auch als ausgeschriebene Anleitung angeboten. Das klingt zunächst bequem, und bei einfachen Motiven mit wenigen Farbwechseln – also typischen Anfängerprojekten – funktioniert das auch gut. Sobald ein Motiv jedoch komplexer wird, die Reihen länger werden (50, 100 oder mehr Maschenpaare) und zahlreiche Farbwechsel vorkommen, wird das Zählen schnell zur Herausforderung. Durch die Maschenpaare strickt man pro „Zähleinheit“ immer zwei Maschen, was höchste Konzentration erfordert. Und wie leicht schweifen die Gedanken beim Stricken einmal ab – schließlich soll es ja entspannen. Auch mir als langjährige Doubleface Strickerin passiert es immer wieder, dass ich mich verzähle, weil ich schon bei der linken Maschen eins weiterzähle.
Beim Stricken nach einem Strickschema ist das kein Problem: Ein kurzer Blick auf die Vorreihe zeigt sofort, ob man noch an der richtigen Stelle ist. Bei einer ausgeschriebenen Anleitung fällt ein Fehler dagegen (im besten Fall) erst am Ende der Reihe auf – wenn die Maschenzahl nicht mehr stimmt. Im ungünstigsten Fall entdeckt man ihn sogar erst viele Reihen später. Dann bleibt nur, mit dem Fehler zu leben oder aufzuribbeln. Und Ribbeln macht beim Doubleface noch weniger Freude als sonst.
Mit ein wenig Übung wirst du im Lesen des Strickschemas immer sicherer und die Vorteile schnell zu schätzen wissen:
- Du kannst jederzeit kontrollieren, an welcher Stelle Du Dich befindest und ob Du beim Farbwechsel richtig „landest“.
- Maschenmarkierer – zum Beispiel alle 10 oder 20 Maschenpaare – können zusätzliche Orientierung und Sicherheit geben.
- Viele Motive haben Bereiche, in denen die Farbwechsel über mehrere Reihen hinweg an derselben Stelle stattfinden. In einem Strickschema siehst Du das auf einen Blick, so kannst Du an diesen Stellen das Zählen komplett vergessen und einfach bis zum nächsten Farbwechsel stricken – ganz bequem, einfach und fehlerfrei.
Natürlich entscheidest Du selbst, wie Du lieber arbeiten möchtest. Da mir das Arbeiten nach Strickschema jedoch schon unzählige Stunden an Aufribbeln, Rückwärtsstricken und Fehlerbeheben erspart hat, kann ich Dir nur ans Herz legen, Dich von Anfang an damit vertraut zu machen.
Tipp 6 – Investiere in schöne Details
Spare beim Anschlag, beim Abketten und beim Rand bitte nicht an Sorgfalt. In einem Doubleface‑Projekt stecken so viele Stunden Arbeit, Geduld und Liebe – da lohnt es sich, dem Anfang und dem Abschluss ebenso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie dem Motiv selbst. Wähle einen schönen, sauberen Maschenanschlag, entscheide Dich für eine passende Abkettvariante und arbeite ordentliche Randmaschen, die beide Seiten miteinander verbinden. All das wertet Dein Strickstück sichtbar auf.
Es gibt unzählige Methoden, manche davon durchaus anspruchsvoll. Zum Glück existieren aber auch sehr einfache Varianten, mit denen Du einen schönen, ordentlichen Anfang und Abschluss erzielen kannst. Quäle Dich zu Beginn nicht gleich mit dem italienischen unsichtbaren Anschlag und dem dazu passenden unsichtbaren Abketten. Für den Einstieg ist eine unkomplizierte, aber saubere Methode völlig ausreichend – und sorgt trotzdem für ein professionelles Ergebnis.
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Tipp 7 – Auswahl des Garns
Bei der Garnwahl gelten grundsätzlich dieselben Überlegungen wie beim normalen Stricken – alle Argumente für oder gegen Natur- und Kunstfasern treffen hier ebenso zu. Beim Doubleface Stricken gibt es jedoch ein paar Besonderheiten, die du unbedingt berücksichtigen solltest:
Farbwahl
- Wähle zwei Farben, die gut miteinander harmonieren und möglichst kontrastreich sind. So kommen die Motive klar und deutlich zur Geltung.
Garnstruktur
- Ideal ist ein glattes Garn ohne Flusen: Merino, Schurwolle, Baumwolle, hochwertige Sockenwolle oder glatte Kunstfasergarne funktionieren sehr gut.
- Flauschige Garne wie Mohair oder Angora sind ungeeignet, da die Fasern das Maschenbild verschlucken.
- Garn mit wechselnder Stärke führt zu einem unruhigen Maschenbild und ist daher ebenfalls nicht empfehlenswert.
Lauflängen-Empfehlungen
- Wähle immer Garn mit gleicher Stärke, d.h. beide Farben müssen die gleiche Stärke haben. Vereinfacht kannst Du das anhand der angegebenen Lauflänge (Anzahl m / 50 g) vergleichen.
- Für Schals, Loops, Mützen usw. eignen sich Garne mit 140–220 m / 50 g, je nach gewünschter Dicke. Denk daran: Du strickst immer doppelt, d.h. Dein Strickwerk wird automatisch doppelt so dick wie beim einfachen Stricken.
- Für Topflappen ist Baumwolle mit ca. 125 m / 50 g ideal.
- Für Spültücher oder Waschlappen darf es etwas feiner sein, etwa 150–170 m / 50 g.
- Ein Badvorleger darf natürlich gut mit dickem Garn gestrickt werden
- Berücksichtige bitte, dass die Lauflänge des Garns direkten Einfluss auf Deine Maschenprobe hat. Bei dickerem Garn hast Du weniger Maschenpaare pro Zentimeter – dadurch eignet es sich vor allem für größere, eher einfache Motive. Mit dünnerem Garn dagegen benötigst Du mehr Maschenpaare pro Zentimeter. Dadurch kannst Du auf derselben Fläche feinere, detailreichere Motive umsetzen.
Baumwolle – gut geeignet, aber mit Tücken
- Baumwolle ist wegen ihrer glatten Oberfläche sehr gut geeignet und wird oft für Einstiegsprojekte wie Topflappen verwendet.
- Sie kann sich jedoch beim Stricken etwas steif anfühlen, was das feste Anziehen der Maschen (und dadurch ggf. ein gleichmäßiges Maschenbild) erschwert.
Etwas leichter zu verstricken sind nicht mercerisierte Baumwolle oder Baumwoll‑Bambus‑Mischungen.
Farbverlaufsgarne und Bobbel
- Projekte aus Bobbeln oder Twistergarnen mit Farbverlauf werden traumhaft schön.
- Viele Bobbel sind jedoch gefacht, d.h. die Fäden liegen lose nebeneinander und sind nicht verzwirnt. Beim Doubleface kann es dadurch schwierig sein, immer alle Fäden einer Farbe sauber zu erwischen. Es gibt Anbieter, die die Fäden leicht verzwirnen – das erleichtert die Arbeit ein wenig. Am einfachsten ist das Arbeiten dennoch bei Garn mit verzwirnten Fäden.
- Sehr schön wirkt auch die Kombination eines Farbverlaufs mit einem unifarbenen Garn.


Zwei Farbverläufe kombinieren
- Beginne bei einem Bobbel mit der dunklen, beim anderen mit der hellen Seite.
- Achte darauf, dass die Farben, die in der Mitte aufeinandertreffen, ausreichend Kontrast haben, damit das Motiv klar bleibt.

Tipp 8 – Üben
Tipp 9 – Üben
Tipp 10 – Üben
Ja, hier treffen die guten alten Sprichwörter tatsächlich zu: „Übung macht den Meister“ und „Ohne Fleiß kein Preis“.
Am besten startest Du mit kleinen Projekten wie Untersetzer oder Lesezeichen. Danach vielleicht ein Topflappen oder Spültuch. Diese Projekte sind überschaubar, schnell fertiggestellt und bringen Dir rasche Erfolgserlebnisse. Gleichzeitig wirst Du von Stück zu Stück Deine Fortschritte sehen und merken, wie Deine Sicherheit wächst.
Sobald Du Dich wohl damit fühlst, kannst Du Dich an etwas anspruchsvollere Designs wagen. Die Auswahl an wunderschönen Motiven ist riesig – in meinem Shop auf Crazypatterns findest Du eine große Vielfalt an Doubleface Anleitungen, die darauf warten, von Dir entdeckt zu werden.
Nun bin ich gespannt auf Deine Erfahrungen - berichte mir gerne oder schicke mir eine Nachricht, falls Du Fragen hast. Wenn Du zusätzliche Tipps hast, schreib sie gerne in die Kommentare.
Ich wünsche Dir viel Freude – und Geduld – beim Erlernen und Festigen dieser tollen Stricktechnik!
Liebe Grüße
Sonja