Einleitung
Häkeln ist für viele von uns weit mehr als nur ein Hobby. Es bedeutet Entspannung, Kreativität und eine kleine Auszeit vom Alltag. Stundenlang in Maschen zu versinken kann unglaublich beruhigend sein und den Kopf frei machen. Gleichzeitig wird dabei jedoch oft unterschätzt, wie sehr Häkeln unseren Körper fordern kann. Gerade weil wir beim Häkeln meist lange in derselben Haltung sitzen und immer wieder die gleichen Bewegungen ausführen, lohnt es sich, dem eigenen Körper bewusst Aufmerksamkeit zu schenken.
Während Hände, Finger und Handgelenke über einen längeren Zeitraum gleichmäßig arbeiten, bleibt der Oberkörper häufig relativ ruhig und ist oft leicht nach vorne geneigt. Diese Kombination aus einseitiger Belastung und statischer Sitzhaltung kann mit der Zeit zu Verspannungen führen. Besonders dann, wenn Pausen fehlen oder die Sitzposition ungünstig ist. Hinzu kommt, dass man beim konzentrierten Arbeiten schnell vergisst, die Schultern locker zu lassen, bewusst zu atmen oder zwischendurch aufzustehen. Der Körper arbeitet dabei still im Hintergrund und meldet sich oft erst dann, wenn bereits eine Überlastung entstanden ist.
Genau deshalb ist es wichtig, sich beim Häkeln nicht nur auf das Projekt zu konzentrieren, sondern auch auf das eigene Wohlbefinden. Mit kleinen Pausen, sanften Dehnübungen und ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich das Häkeln langfristig gesünder gestalten, sodass es entspannend bleibt und nicht zur körperlichen Belastung wird.
In diesem Blogbeitrag gehe ich auf typische körperliche Symptome ein, die beim Häkeln auftreten können, und zeige einfache Übungen zur Entlastung und Vorbeugung.
Hinweis: Die genannten Tipps und Übungen sind lediglich Empfehlungen und ersetzen keine medizinische Beratung. Besonders wenn bereits körperliche Einschränkungen, Schmerzen oder Vorerkrankungen bestehen, ist es sinnvoll, sich individuell von einer Fachperson, zum Beispiel einem Physiotherapeuten, beraten zu lassen.
Hauptteil
1. Typische Beschwerden beim Häkeln
Viele Häkelfans kennen diese Anzeichen nur zu gut: müde oder verspannte Hände, ein Ziehen in den Handgelenken oder ein steifer Nacken nach einer längeren Häkelrunde. Auch Schulterschmerzen, Rückenspannungen oder ein Kribbeln in den Fingern können auftreten.
Diese Beschwerden entstehen nicht, weil Häkeln „schlecht“ ist, sondern weil unser Körper Abwechslung, Bewegung und kleine Erholungsphasen braucht. Wer frühzeitig darauf reagiert und seinem Körper Aufmerksamkeit schenkt, kann vielen Problemen gut vorbeugen.
2. Warum Pausen so wichtig sind
Pausen sind kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Motivation, sie sind notwendig. Kurze Unterbrechungen helfen den Muskeln, sich zu entspannen, fördern die Durchblutung und geben den Gelenken eine kleine Erholung. Schon wenige Minuten können ausreichen, um den Körper spürbar zu entlasten.
Ein guter Richtwert ist, etwa alle 30 bis 45 Minuten kurz aufzustehen, die Hände zu lockern oder sich sanft zu strecken. Diese Pausen verbessern nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern oft auch die Konzentration und die Freude am Häkeln.
3. Eine gesunde Position für den Körper finden
3.1 Haltung
Eine gute Haltung ist beim Häkeln besonders wichtig, da wir oft lange sitzen und uns stark auf unsere Hände konzentrieren. Versuche, möglichst aufrecht zu sitzen und den Oberkörper nicht dauerhaft nach vorne zu beugen. Die Schultern sollten locker und entspannt bleiben. Viele ziehen sie unbewusst hoch, wenn sie konzentriert arbeiten. Achte zwischendurch bewusst darauf, sie wieder zu senken und locker hängen zu lassen. Dein Rücken darf gerade sein, sollte sich aber niemals steif oder verkrampft anfühlen.
3.2 Sitzposition
Ein bequemer Stuhl kann einen großen Unterschied machen. Ideal ist eine Sitzfläche, die den unteren Rücken gut unterstützt und ein stabiles Sitzen ermöglicht. Beide Füße stehen möglichst flach auf dem Boden, sodass das Gewicht gleichmäßig verteilt ist. Ein kleines Kissen oder eine zusammengerollte Decke im unteren Rücken kann zusätzlich helfen, die natürliche Haltung zu unterstützen.
Auch Armstützen oder ein Kissen unter den Armen können sehr entlastend wirken, da sie Schultern und Handgelenke unterstützen und das Häkeln insgesamt angenehmer machen. Je entspannter du sitzt, desto weniger Spannung baut sich im Körper auf.
Langes Sitzen und Häkeln auf dem Sofa solltest du hingegen möglichst vermeiden. Auf dem Sofa sinkt man leicht ein, der Oberkörper beugt sich nach vorne und der Körper bekommt kaum Halt. Diese Haltung ist oft ungünstig für Rücken, Schultern und Nacken und kann Verspannungen deutlich begünstigen.
4. Tipps für ein entspannteres Häkeln
4.1 Bewegung tut gut
Kleine Bewegungseinheiten im Alltag können helfen Verspannung vorzubeugen oder zu lindern, zum Beispiel ein kurzer Spaziergang, ein paar Schritte durch die Wohnung oder das Erledigen kleiner Aufgaben im Haushalt. Schon diese kurzen Bewegungen lockern den Körper, fördern die Durchblutung und sorgen dafür, dass man danach wieder entspannter weiterhäkeln kann.
4.2 Die Atmosphäre macht’s
Auch die Umgebung spielt eine große Rolle dabei, wie entspannt sich das Häkeln für den Körper anfühlt. Angenehmes, warmes Licht schont die Augen und verhindert, dass man sich unbewusst anspannt. Ruhige Musik oder leise Hintergrundgeräusche können helfen, in einen gleichmäßigen Rhythmus zu kommen und den Kopf zur Ruhe zu bringen.
Viele empfinden es außerdem als sehr wohltuend, eine Decke über den Beinen zu haben oder sich mit einer warmen Tasse Tee oder einem anderen Lieblingsgetränk hinzusetzen.
Diese kleinen Details vermitteln dem Körper Sicherheit und Wärme und tragen dazu bei, dass sich Muskeln leichter entspannen. Eine bewusst gestaltete, gemütliche Häkelumgebung kann so nicht nur die Stimmung verbessern, sondern auch einen spürbar positiven Effekt auf das körperliche Wohlbefinden haben.
4.3 Wärme als Unterstützung bei Verspannungen
Wärme kann bei Verspannungen eine sehr wohltuende und unterstützende Wirkung haben. Eine Wärmflasche, ein Kirschkernkissen oder ein warmes Bad helfen dabei, die Muskulatur zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Besonders nach längeren Häkelphasen kann Wärme dem Körper helfen, zur Ruhe zu kommen und sich besser zu regenerieren. Wärme ersetzt keine Bewegung oder Pausen, kann diese aber wunderbar ergänzen und das allgemeine Wohlbefinden deutlich verbessern.
4.4 Sanfte Übungen für zwischendurch
Die folgenden Übungen sind bewusst sanft gehalten und eignen sich gut als kleine Bewegungspausen während des Häkelns. Sie sollen keine medizinische Behandlung ersetzen, sondern den Körper zwischendurch etwas entlasten und lockern.
Hände & Finger
Öffne deine Hände weit, strecke die Finger und halte die Position für ein paar Sekunden. Danach langsam zur Faust schließen und wieder öffnen.
Handgelenke
Kreise deine Handgelenke langsam in beide Richtungen. Achte darauf, die Bewegung ruhig und kontrolliert auszuführen, ohne Druck.
Schultern
Ziehe die Schultern sanft nach oben und lasse sie langsam wieder fallen. Du kannst die Schultern auch langsam nach vorne oder hinten kreisen lassen.
Nacken
Neige den Kopf vorsichtig zur Seite, ohne zu ziehen, und halte die Position kurz. Wechsel danach die Seite.
Rücken
Stehe auf, strecke die Arme über den Kopf und recke dich sanft nach oben. Eine leichte Drehung des Oberkörpers nach links und rechts kann ebenfalls helfen Verspannungen zu lösen.
Wiederhole die einzelnen Übungen 5 bis 10 mal oder halte die Übung für ungefähr 30 Sekunden.
Fazit
Ich habe selbst erlebt, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören. Vor ein paar Jahren hatte ich sehr starke Schmerzen im Schulterblatt, weil ich Warnsignale ignoriert habe. Diese Beschwerden hielten mehrere Monate an und treten bis heute gelegentlich wieder auf, wenn ich es mit dem Häkeln oder einer ungünstigen Sitzhaltung übertreibe.
Häkeln soll in erster Linie Freude bringen, nicht nur für einen Moment, sondern langfristig. Deshalb gehört es für mich mittlerweile ganz selbstverständlich dazu, auf meinen Körper zu hören und meine eigenen Grenzen wahrzunehmen. Wenn Hände müde werden, der Nacken spannt oder die Schultern sich melden, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis, kurz innezuhalten.
Kleine Dehnübungen, eine bewusste Sitzhaltung und regelmäßige Bewegung machen für mich einen großen Unterschied. Sie helfen mir, das Häkeln weiterhin als das zu erleben, was es für mich ist: eine Form von Entspannung, Kreativität und Ausgleich.
Schlusswort
Ich hoffe, dieser Beitrag konnte dich ein wenig dafür sensibilisieren, wie wichtig Achtsamkeit und Bewegung auch beim Häkeln sind. Du musst nicht alles perfekt umsetzen, schon kleine Veränderungen im Alltag können viel bewirken.
Höre auf deinen Körper, gönn dir Pausen und erinnere dich daran, dass Häkeln kein Wettlauf ist. Jede Masche, jedes Amigurumi, alles darf in deinem eigenen Tempo entstehen.
Mich würde sehr interessieren, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt oder ein paar Tipps kennt, die euch beim Häkeln helfen. Teilt eure Gedanken und Erfahrungen gern in den Kommentaren. Über den Austausch freue ich mich immer sehr.
Liebe Grüße Nancy
Von Silvisunflower ♡