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Beim Fingerhäkeln entstehen die Maschen ganz ohne Häkelnadel und nur mithilfe der Hände und einem Garn. In diesem Beitrag erkläre ich dir, was Fingerhäkeln genau ist, welches Material du dafür benötigst, und wie du deine ersten Maschen ganz ohne Häkelnadel nacharbeiten kannst und wie aus zwei einfachen Maschen deine ersten Projekte entstehen können.
Was ist Fingerhäkeln?
Beim Fingerhäkeln werden die Maschen ähnlich gebildet wie beim klassischen Häkeln. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass du keine Häkelnadel verwendest. Stattdessen liegt die aktive Schlinge auf deinem Zeigefinger. Mit den übrigen Fingern greifst du das Garn und ziehst es durch die Schlingen. Da ein Finger deutlich dicker als eine gewöhnliche Häkelnadel ist, werden auch die Maschen entsprechend größer. Aus diesem Grund wird beim Fingerhäkeln meistens mit sehr dickem Garn gearbeitet. Dünnes Garn lässt sich zwar ebenfalls verwenden, ist jedoch schwerer zu greifen und ergibt ein wesentlich lockereres Maschenbild.
Achtung: Fingerhäkeln sollte nicht mit Fingerstricken verwechselt werden. Beim Fingerstricken werden mehrere Schlingen gleichzeitig auf verschiedenen Fingern gehalten. Beim Fingerhäkeln arbeitest du dagegen wie beim klassischen Häkeln mit einer aktiven Schlinge und bildest daraus nacheinander die einzelnen Maschen.
Ist Fingerhäkeln auch für Anfänger geeignet?
Ja, Finger häkeln ist auch für Anfänger geeignet. Die Grundbewegungen des Fingerhäkelns sind nicht kompliziert. Wer bereits häkeln kann, wird viele Abläufe schnell wiedererkennen. Statt der Häkelnadel wird lediglich der Finger durch die Maschen geführt. Auch ohne vorherige Häkelerfahrung kann die Technik gut ausprobiert und erlernt werden. Dennoch müssen die Luftmaschenkette, das Einstechen in die richtige Masche und das Bilden der einzelnen Schlingen zunächst verstanden und geübt werden. Für manche Menschen ist eine Häkelnadel leichter zu kontrollieren, während andere das direkte Arbeiten mit den Händen angenehmer finden. Fingerhäkeln ist deshalb nicht automatisch einfacher als klassisches Häkeln. Es ist vielmehr eine andere Art, dieselben grundlegenden Maschen zu bilden.
Was benötige ich zum Fingerhäkeln?
Für das Fingerhäkeln brauchst du lediglich Garn, eine Schere und deine Hände. Eine Häkelnadel oder anderes Werkzeug ist nicht notwendig. Für den Einstieg eignet sich ein dickes und möglichst glattes Garn. Die einzelnen Maschen lassen sich damit besser erkennen und greifen. Ein sehr flauschiges oder stark strukturiertes Garn kann den Anfang erschweren, weil die Schlingen darin weniger deutlich zu sehen sind.
Tipp: Hast du kein ausreichend dickes Garn zur Hand, kannst du auch mehrere Fäden gleichzeitig verwenden. Dadurch erhältst du einen dickeren Garnstrang, der sich leichter mit den Fingern verarbeiten lässt. Dabei solltest du darauf achten, alle Fäden gemeinsam zu greifen, damit keiner versehentlich ausgelassen wird.
Welchen Finger verwende ich zum Häkeln?
In der Regel übernimmt der Zeigefinger und der Daumen deiner bevorzugten Hand die Aufgabe der Häkelnadel. Nutzt du normalerweise im Alltag eher deine rechte Hand, so arbeitest du auch beim Fingerhäkeln überwiegend mit dem rechten Zeigefinger und Daumen. Mit der anderen Hand hältst du das Häkelstück in Position und hältst auch das Arbeitsgarn mit dieser Hand locker fest. Am Anfang kann sich diese Haltung der Finger ungewohnt anfühlen. Probiere deshalb ruhig aus, wie du das Garn am besten greifen und führen kannst. Es gibt keine vorgeschriebene Handhaltung, solange du die Schlingen kontrollieren und das Garn gleichmäßig hindurchziehen kannst kommst du zu einem Ergebnis.
Worauf sollte ich beim Fingerhäkeln achten?
Eine der größten Umstellungen ist die Gleichmäßigkeit beizubehalten. Beim klassischen Häkeln gibt die Häkelnadel eine feste Größe für die Schlingen vor. Beim Fingerhäkeln musst du selbst darauf achten, dass deine Maschen ungefähr gleich groß bleiben. Ziehst du das Garn sehr fest an, wird es schwierig, den Finger erneut durch die Maschen zu führen. Bleiben die Schlingen dagegen zu locker, kann das Häkelstück ungleichmäßig werden und seine Form verlieren. Versuche deshalb, jede neue Schlinge ungefähr gleich weit auf deinen Finger zu ziehen. Die Maschen müssen nicht vollkommen identisch sein. Mit etwas Übung entwickelt sich meist von allein ein gleichmäßigerer Bewegungsablauf. Auch die Haltung der Hände kann auf Dauer anstrengend werden. Lege deshalb zwischendurch Pausen ein und lockere deine Finger. Besonders bei sehr dickem oder schwerem Garn benötigt das Greifen und Durchziehen mehr Kraft als beim Häkeln mit einer Nadel.
Tipp: Achte immer darauf, die Maschen nicht zu fest anzuziehen. Die einzelnen Schlaufen müssen groß genug bleiben, damit du Daumen und Zeigefinger problemlos hindurchführen kannst.
Wie bilde ich die Anfangsschlaufe?
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Lege das Garn zunächst zu einer Schlaufe. Das kurze Fadenende liegt dabei unter dem langen Arbeitsfaden. Führe den Arbeitsfaden anschließend einmal locker um die Schlaufe herum und ziehe den dahinterliegenden Teil des Fadens durch die Schlaufe nach vorne.
Ziehe nun vorsichtig am kurzen Fadenende, damit sich die Anfangsschlaufe bildet. Über den Arbeitsfaden kannst du ihre Größe anpassen. Beim Fingerhäkeln sollte die Schlaufe deutlich lockerer sein als beim klassischen Häkeln, damit du bequem mit Daumen und Zeigefinger hindurchgreifen kannst.
Tipp: Möchtest du die nächste Reihe mit festen Maschen häkeln
Wie häkle ich Luftmaschen?
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Lege die Anfangsschlaufe auf den Zeigefinger deiner bevorzugten Hand. Das Arbeitsgarn führst du locker mit der anderen Hand.
Greife nun mit Daumen und Zeigefinger durch die Anfangsschlaufe, fasse den Arbeitsfaden und ziehe ihn vollständig durch die Schlaufe. Dadurch entsteht die erste Luftmasche und gleichzeitig eine neue Schlaufe, durch die du erneut hindurchgreifen kannst.
Tipp: Möchtest du in der nächsten Reihe feste Maschen oder halbe Stäbchen häkeln, beginnst du mit der ersten Masche in der zweiten Luftmasche, von deinem rechten Zeigefinger aus gezählt. Für ganze Stäbchen beginnst du in der dritten Luftmasche, von deinem rechten Zeigefinger aus gezählt. Die aktive Schlaufe auf deinem Finger wird dabei nicht mitgezählt.
Wie häkle ich feste Maschen?
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Wenn deine Luftmaschenkette die gewünschte Länge erreicht hat, kannst du mit den festen Maschen beginnen. Die aktive Schlaufe bleibt dabei auf deinem Zeigefinger.
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Führe den Zeigefinger in die nächste Masche ein, greife den Arbeitsfaden und ziehe ihn durch die Masche hindurch. Nun liegen zwei Schlaufen auf deinem Finger. Hole den Arbeitsfaden erneut und ziehe ihn durch beide Schlaufen. Damit ist die erste feste Masche fertig.
Tipp: Am Ende einer Reihe häkelst du eine zusätzliche Luftmasche, um die Höhe der festen Maschen für die kommende Reihe auszugleichen. Danach wendest du dein Häkelstück und arbeitest die nächste Reihe auf die gleiche Weise weiter. Achte darauf, dass du am Ende der Reihe nicht ausversehen in die Luftmasche vom Anfang der Reihe häkelst.
Wie häkle ich ganze Stäbchen?
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Auch Stäbchen werden nach demselben Grundprinzip wie mit einer Häkelnadel gearbeitet. Bevor du in die nächste Masche greifst, legst du den Arbeitsfaden einmal als Umschlag über deinen Zeigefinger.
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Führe den Finger anschließend in die nächste Masche ein, greife den Arbeitsfaden und ziehe ihn durch die Masche. Nun liegen drei Schlaufen auf deinem Finger.
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Hole den Arbeitsfaden erneut und ziehe ihn zunächst nur durch die ersten beiden Schlaufen. Danach greifst du den Faden noch einmal und ziehst ihn durch die beiden verbliebenen Schlaufen. Damit ist das Stäbchen fertig.
Tipp: Da Stäbchen höher als feste Maschen sind, werden am Ende einer Reihe 2 Luftmaschen für den Höhenausgleich gehäkelt. Danach wendest du dein Häkelstück und arbeitest die nächste Reihe auf die gleiche Weise weiter. Danach wendest du dein Häkelstück und arbeitest die nächste Reihe auf die gleiche Weise weiter.
Welche Maschen kann ich mit den Fingern noch häkeln?
Neben Luftmaschen und festen Maschen lassen sich auch weitere bekannte Maschenarten mit den Fingern arbeiten. Dazu gehören beispielsweise auch halbe Stäbchen und Kettmaschen.
Tipp: Passend dazu findest du von mir auch ein Video, in dem du dir die einzelnen Maschen und ihre Umsetzung mit den Händen noch einmal genau ansehen kannst. Das Video besteht aus reinem Bildmaterial und ist nicht vertont.
Für den Einstieg würde ich dennoch zunächst bei Luftmaschen und festen Maschen bleiben. Dadurch kannst du dich an die ungewohnte Arbeitsweise gewöhnen, ohne gleichzeitig auf mehrere Umschläge und Schlingen achten zu müssen. Sobald dir die grundlegenden Bewegungen leichter fallen, kannst du weitere Maschenarten ausprobieren.
Welche Projekte eignen sich zum Fingerhäkeln?
Fingerhäkeln eignet sich besonders für Projekte, bei denen ein grobes und weiches Maschenbild gewünscht ist. Durch die großen Maschen lassen sich vor allem dicke Garne gut verarbeiten.
Mögliche Projekte sind beispielsweise Schals, Decken, Kissenhüllen, kleine Teppiche oder größere Taschen. Für sehr kleine oder detailreiche Projekte ist das Fingerhäkeln dagegen weniger geeignet. Filigrane Figuren, kleine Applikationen oder feine Muster lassen sich mit einer gewöhnlichen Häkelnadel wesentlich genauer ausarbeiten.
Kann ich "normale" Häkelanleitungen zum Fingerhäkeln nutzen?
Grundsätzlich ja, da die Maschen beim Fingerhäkeln nach demselben Prinzip entstehen wie jene, welche mit einer Häkelnadel gehäkelt wurden. Das fertige Projekt wird jedoch meist deutlich größer und lockerer, weshalb das fertige Häkelstück etwas luftiger und unproportionaler aussehen kann. Für Amigurumis (Häkelfiguren) ist Fingerhäkeln eher ungeeignet, da solche Projekte ein möglichst festes und dichtes Maschenbild benötigen. Durch die größeren und lockereren Maschen können leichter sichtbare Lücken entstehen, durch die später auch die Füllwatte zu sehen sein kann. Zudem erhält das Amigurumi nicht die gewünscht Form.
Anleitung: So fingerhäkelst du deinen ersten einfachen Untersetzer
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Beginne mit einer Anfangsschlaufe und häkle anschließend so viele Luftmaschen, bis dein Untersetzer die gewünschte Breite hat.
Beginne nun in der zweiten Luftmasche von deinem rechten Zeigefinger aus, die Schlaufe auf deinem FInger wird nicht mitgezählt und häkle bis zum Ende der Luftmaschenreihe feste Maschen. Am Ende der Reihe arbeitest du eine Luftmasche und wendest dein Häkelstück.
Häkle in der nächsten Reihe erneut in jede Masche eine feste Masche. Am Ende folgt wieder eine Luftmasche und das Häkelstück wird gewendet. Diesen Ablauf wiederholst du so lange, bis dein Untersetzer die gewünschte Höhe erreicht hat.
Schneide das Garn anschließend mit etwas Abstand zum Häkelstück ab und ziehe das Ende durch die letzte Schlaufe. Die beiden Garnenden kannst du entweder auf der Rückseite miteinander verknoten oder einzeln in das Häkelstück "einweben".
Beherrschst du diese Grundmaschen gut, kannst du nach demselben Prinzip auch größere Projekte umsetzen. Eine einfache Decke wird ähnlich wie der Untersetzer gehäkelt, nur mit deutlich mehr Maschen und Reihen. Für einen Kissenbezug häkelst du zwei gleich große Teile, legst sie aufeinander und verbindest sie an drei der vier Seiten miteinander. Durch die vierte Seite kannst du dein Kissen in den Bezug einführen. Notiere dir beim häkeln der ersten Kissenbezugseite wie viele Luftmaschen und Reihen du hgehäkelt hast. So fällt es dir leichter die zweite Bezugseite identisch zu häkeln.
Tipp: Beim Häkeln in die Luftmaschenkette stichst du in eine Schlaufe der jeweiligen Luftmasche ein. Hast du bereits feste Maschen, halbe Stäbchen oder ganze Stäbchen gehäkelt, erkennst du an der Oberseite jeder Masche zwei Maschenglieder. Zusammen sehen sie wie ein seitlich liegendes V aus. Für ein gleichmäßiges Maschenbild stichst du unter beide Maschenglieder ein.
Maschen einer festen Masche
Masche einer Luftmasche
Mein persönliches Fazit
Für mich ist Fingerhäkeln eine interessante Ergänzung zum klassischen Häkeln. Besonders spannend finde ich, dass sich bekannte Maschen allein mit den Händen bilden lassen und dafür keine Häkelnadel notwendig ist.
Ich würde die Technik jedoch nicht als Ersatz für das gewöhnliche Häkeln betrachten. Durch die Größe des Fingers entstehen deutlich gröbere Maschen, wodurch sich nicht jedes Projekt damit umsetzen lässt. Für große, weiche Arbeiten mit dickem Garn kann das Fingerhäkeln aber eine schöne Alternative sein und eine neue Möglichkeit bieten, kreativ mit Garn zu arbeiten.
Wie gut einem die Technik gefällt, hängt wahrscheinlich stark davon ab, ob man mit den großen Schlingen und der ungewohnten Fadenführung zurechtkommt. Gerade zu Beginn lohnt es sich deshalb, zunächst nur ein kleines Probestück zu häkeln. So lässt sich ohne großen Materialaufwand herausfinden, ob einem diese Arbeitsweise liegt. Zudem sollte man nicht gleich aufgeben, wenn etwas mal nicht gelingt. Wie sagt man sinnbildlich so schön? Übung macht den Meister. Und es ist noch kein meister vom Himmel gefallen.
Schlusswort
Ich hoffe, dieser Beitrag konnte dir einen verständlichen Einblick in das Fingerhäkeln geben und hat dir gezeigt, wie du deine ersten Maschen ganz ohne Häkelnadel arbeiten kannst.
Vielleicht hast du das Fingerhäkeln bereits ausprobiert oder möchtest dich nun zum ersten Mal daran versuchen. Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren. Mich würde besonders interessieren, falls du bereist Erfahrungen im Häkeln hast, ob dir das Häkeln mit den Fingern leichter oder schwerer fällt als mit einer gewöhnlichen Häkelnadel.
Viel Freude beim Ausprobieren!
Liebe Grüße Nancy
Von Silvisunflower ♡