Ich muss es einfach zugeben: Ich bin süchtig nach Stricken.
Sobald sich irgendwo ein paar ruhige Minuten ergeben und ich mich hinsetzen kann, wandern die Stricknadeln ganz automatisch in meine Hände. Läuft der Fernseher? Dann stricke ich. Zugegeben – manchmal bekomme ich dabei nicht alles mit, was gerade über den Bildschirm flimmert. Selbst beim Lesen eines Buches erwische ich mich gelegentlich dabei, dass ich lieber ein paar Reihen stricke, als umzublättern.
Wenn es tatsächlich einmal eine Pause zwischen zwei Projekten gibt – weil die Wolle für das nächste Modell noch unterwegs ist oder eine Anleitung noch nicht fertig geschrieben wurde – werde ich richtig unruhig. Dann greife ich trotzdem zu Garn und Nadeln und experimentiere einfach drauflos. Ich probiere Muster aus, teste neue Ideen oder spiele mit Maschen, die vielleicht irgendwann einmal zu einem richtigen Projekt werden.
Stricken entspannt mich. Während meine Hände arbeiten, kommt mein Kopf zur Ruhe. Und genau in diesen Momenten entstehen oft die besten Ideen für neue Projekte.
Ich weiss, dass viele ihr Strickzeug im Sommer erst einmal beiseitelegen. Verständlich: Ein großes Projekt auf dem Schoß kann bei 30 Grad schnell zur schweißtreibenden Angelegenheit werden. Dazu kommen feuchte Hände, über die die Maschen nicht mehr so leicht über die Nadeln gleiten wollen.
Diese Probleme kenne ich natürlich auch. Aber weil ich auf das Stricken einfach nicht verzichten möchte, habe ich nach Lösungen gesucht. Einige davon haben sich im Laufe der Zeit wirklich bewährt.
In diesem Blog möchte ich meine besten Tipps mit euch teilen. Vielleicht ist ja auch der eine oder andere Trick dabei, der euch das Stricken an heissen Sommertagen ein bisschen angenehmer macht.
Das richtige Garn wählen
Im Sommer arbeite ich am liebsten mit natürlichen Fasern, die sich auch für Sommerkleidung bewährt haben. Dazu gehören für mich vor allem Baumwolle, Leinen und Bambus. Je nach Projekt greife ich auch gern zu Mischgarnen mit diesen Fasern oder zu einem leichten Merinogarn.
Diese Garne können Feuchtigkeit gut aufnehmen und fühlen sich dadurch angenehm kühl an. Das macht nicht nur das fertige Strickstück angenehm zu tragen, sondern sorgt auch dafür, dass ich beim Stricken weniger schnell feuchte Hände bekomme. Die Maschen gleiten einfach besser über die Nadeln, und das Stricken fühlt sich insgesamt angenehmer an.
Außerdem greife ich im Sommer gern zu hellen Farben. Ob sie tatsächlich kühler sind, weiß ich nicht – aber zumindest fühlt es sich für mich so an. Und manchmal trägt schon dieses sommerliche Gefühl dazu bei, dass ein Projekt noch mehr Freude macht.
Kleine Projekte – oder eine praktische Alternative
Diesen Tipp habt ihr wahrscheinlich schon oft gehört: Im Sommer lieber kleinere Projekte stricken. Sie liegen mit weniger Gewicht auf dem Schoß, sind dadurch deutlich angenehmer und lassen sich außerdem viel leichter transportieren. Gerade wenn man sich mit dem Strickzeug einen schattigen Platz im Garten, auf dem Balkon oder im Park suchen möchte, ist das ein großer Vorteil.
Und ganz ehrlich: Ich stricke zwischendurch auch sehr gern kleinere Projekte. Besonders dann, wenn ich gerade ein großes Projekt beendet habe. Spültücher, Waschlappen, Topflappen und andere Kleinigkeiten gehören deshalb fest zu meinem Repertoire.
Aber irgendwann packt mich wieder die Lust auf ein grösseres Projekt. Und die verschwindet auch im Sommer nicht.
Deshalb habe ich nach einer Lösung gesucht, damit das Strickstück nicht direkt auf meinem Schoß liegt. Meine einfachste Lösung ist ein Betttisch. Er sollte so hoch sein, dass zwischen meinen Beinen und der Tischplatte noch etwas Luft bleibt. Darauf kann das Strickprojekt bequem liegen, ohne dass es mich zusätzlich aufheizt. Man braucht dafür zwar etwas Platz nach links und rechts, aber wenn der vorhanden ist, funktioniert das erstaunlich gut.
Und falls kein Betttisch zur Hand ist, geht es auch improvisiert: Eine stabile Kartonschachtel erfüllt denselben Zweck. Schneidet einfach auf beiden Seiten eine Aussparung für die Beine aus und stellt die Schachtel wie einen kleinen Tisch über euren Schoss. Nicht besonders elegant – aber erstaunlich praktisch. Manchmal sind es eben die einfachen Ideen, die den grössten Unterschied machen.
Hände kühl halten
Wenn ich merke, dass meine Hände beim Stricken warm und feucht werden, wasche ich sie zwischendurch gern mit kaltem Wasser ab. Das hilft sofort – allerdings muss ich dafür jedes Mal aufstehen und zum Wasserhahn laufen. Und mal ehrlich: Wenn ich gerade mitten im Strickfluss bin, mache ich das nicht besonders gern.
Deshalb habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, meine Hände nach dem Abspülen länger trocken zu halten. Meine Lösung ist ganz einfach: In einer kleinen Blechdose habe ich etwas Talkumpuder gefüllt. Zwischendurch dippe ich kurz die Fingerspitzen hinein und verteile eine hauchdünne Schicht auf meinen Händen. Tatsächlich bleiben sie dadurch deutlich länger trocken.
Damit beim Öffnen der Dose nicht gleich eine kleine Puderwolke entsteht, habe ich einfach etwas Watte mit in die Dose gelegt. Einmal kräftig schütteln – natürlich mit geschlossenem Deckel 😉 – und das Puder staubt beim Öffnen deutlich weniger.
Ein Tipp, den ich ebenfalls schon häufiger gelesen habe, ist ein Baumwolltuch auf dem Schoss. Zum Abtrocknen der Hände funktioniert das zwar gut, bei mir werden die Hände allerdings trotzdem ziemlich schnell wieder feucht. Aber vielleicht ist das ja genau die Lösung, die bei euch funktioniert.
Und noch etwas habe ich über die Jahre gelernt: Manchmal hilft es schon, einfach einen Gang herunterzuschalten. Wenn ich mit Begeisterung stricke, bewege ich beim Fadenführen (ich stricke in der englischen Strickweise) den ganzen rechten Arm. Allein diese Bewegung kann an heissen Tagen schon dafür sorgen, dass mir warm wird.
Deshalb stricke ich im Sommer ganz bewusst etwas ruhiger und lege zwischendurch kurze Pausen ein. Schliesslich ist Stricken kein Wettkampf. Und wenn wir bei hohen Temperaturen auf unseren Körper achten, macht das Hobby gleich noch mehr Spass.
Fazit
Auch wenn ich im Sommer manchmal über die Hitze fluche – aufs Stricken verzichten kommt für mich einfach nicht infrage. Dafür macht es mir viel zu viel Freude und es gehört inzwischen einfach zu meinem Alltag.
Natürlich gibt es Tage, an denen selbst das beste Sommergarn und der schattigste Platz die Temperaturen nicht wegzaubern können. Aber ich habe festgestellt, dass oft schon ein paar kleine Veränderungen einen großen Unterschied machen. Das richtige Garn, eine praktische Ablage für größere Projekte, trockene Hände oder einfach ein etwas ruhigeres Stricktempo – all diese kleinen Tricks sorgen dafür, dass das Stricken auch an heißen Tagen entspannt bleibt.
Nicht jeder Tipp wird für jeden gleich gut funktionieren. Probiert einfach aus, was zu euch und eurem Strickstil passt. Vielleicht habt ihr sogar noch ganz andere Ideen oder kleine Kniffe, die euch den Stricksommer erleichtern.
Ich jedenfalls werde auch in diesem Sommer wieder mit meinen Nadeln auf dem Balkon, im Garten oder an einem schönen Schattenplatz sitzen. Wahrscheinlich mit einem kühlen Getränk in Reichweite, einem neuen Projekt auf den Nadeln – und garantiert schon den nächsten Ideen im Kopf.
Habt ihr noch weitere Tipps für entspanntes Stricken bei Hitze? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare. Ich freue mich darauf, eure Erfahrungen zu lesen!