Warum Raffen perfekt in den Familienalltag passt
Im Alltag mit Kindern entstehen Häkelprojekte selten am Stück.
Man häkelt ein paar Reihen, legt das Projekt zur Seite und macht später weiter. Genau hier ist Raffen besonders wertvoll:
- Das Häkelstück entsteht zunächst ganz normal
- Die Form wird erst am Schluss entschieden
- Nichts ist endgültig, bis du die Raffung fixierst
Das gibt Freiheit – und nimmt Druck raus. Kreativität darf flexibel bleiben, genau wie der Familienalltag selbst.
Was bedeutet „Raffen“ beim Häkeln eigentlich?
Raffen ist keine eigene Masche.
Es handelt sich um eine Technik zur Formgebung, die nach dem Häkeln angewendet wird.
Das heißt konkret:
- Du häkelst dein Stück ohne besondere Zu- oder Abnahmen
- ohne komplizierte Muster
- ohne zusätzliche Techniken
Die Veränderung entsteht erst, wenn ein Faden durch mehrere Maschen geführt und anschließend zusammengezogen wird.
Die allgemeine Anleitung zum Raffen (Grundprinzip)

Dieses Grundprinzip gilt für alle Häkelstücke, egal ob flach oder rund.
1️⃣ Häkelstück vorbereiten
Das Häkelstück ist vollständig fertig gehäkelt.
Geeignet sind z. B. feste Maschen, halbe oder ganze Stäbchen.
2️⃣ Faden einfädeln
Schneide einen ausreichend langen Faden ab und fädele ihn auf eine Woll- oder Stopfnadel.
💡 Tipp:
Am unauffälligsten wird das Ergebnis, wenn du das gleiche Garn verwendest wie beim Häkelstück.
3️⃣ Faden durch die Maschen führen
Führe die Nadel:
- quer
- längs
- oder gezielt durch Vorder- und Rückseite
durch mehrere Maschen oder Reihen.
Der Faden liegt zunächst locker, ohne Spannung.
4️⃣ Raffen
Ziehe den Faden langsam und gleichmäßig zusammen.
Beobachte dabei, wie sich das Häkelstück formt.
Hier entscheidest du:
- wie stark die Raffung sein soll
- wie weich oder markant die Form wirkt
5️⃣ Fixieren
Wenn dir die Optik gefällt:
- sichere die Raffung mit ein paar festen Stichen
- vernähe den Faden sorgfältig
Erst jetzt ist die Form dauerhaft fixiert.
Genau diese Art des Raffens nutze ich auch in einer meiner Häkelanleitungen für eine Mütze.
Mir war dabei wichtig, eine Technik zu verwenden, die mit einfachen Maschen auskommt, sich gut an unterschiedliche Kopfformen anpasst und auch dann funktioniert, wenn ein Projekt zwischendurch liegen bleiben muss – so wie es im Familienalltag oft der Fall ist.
Die Raffung sorgt dort nicht nur für die besondere Optik, sondern auch dafür, dass die Mütze angenehm sitzt, ohne einzuengen oder ständig korrigiert werden zu müssen.

Raffen verstehen – mit zwei einfachen Beispielen
Um die Technik greifbar zu machen, schauen wir uns zwei bewusst einfache Übungsstücke an.
Beispiel 1: Die „Nudel“ – ein flaches Häkelstück raffen
Eine „Nudel“ ist hier einfach:
- ein schmaler, länglicher Häkelstreifen
- gehäkelt mit festen Maschen, halben oder ganzen Stäbchen
Mini-Anleitung:
- Häkle einen Streifen mit ca. 6–10 Maschen Breite
- Beliebige Höhe (ich empfehle ungefähr 4-6 Reihen, abhängig von den verwendeten Maschen)

Wenn du noch eine schönere Nudelform möchtest, dann empfehle ich dir den Rand des Rechtecks mit leichten Wellen zu versehen. Das ist ganz einfach (aber nicht zwingend nötig):
Dazu wird an den kurzen Seiten ein ganz einfaches Muster ergänzt. Du kannst ab der ersten Seite den Faden weiter nutzen, ohne ihn am Ende abzuschneiden. Die andere Seite kannst du entweder neu ansetzen oder an der unteren langen Seite einfach eine Reihe Kettmaschen häkeln (diese Version finde ich am schönsten, weil man keinen zusätzlichen Faden zum vernähen erzeugt):
Für das Muster häkelst du einfach zwei Luftmaschen, ein halbes Stäbchen und eine Kettmasche in die Wendeluftmaschen an der Seite - also nicht in die Reihen, die mit festen Maschen, halben Stäbchen oder Stäbchen enden.

Dann häkelst du unten mit Kettmaschen entlang und wiederholst das auf der anderen Seite.

1. Fädele den Faden auf eine Nadel und "vernähe" ihn bis zu der Stelle, an der du die Nudel raffen möchtest
2. Führe ihn mittig quer durch mehrere Reihen

3. Ziehe den Faden zusammen und fixiere ihn

✨ Ergebnis:
Aus einem schlichten Streifen entsteht Struktur und Bewegung – ganz ohne Musterwechsel.
Diese einfache Mini-Anleitung eignet sich außerdem wunderbar, um die Kinderküche kreativ zu bestücken.
Aus mehreren dieser gehäkelten „Nudeln“ entstehen kleine Spiel-Lebensmittel, die Kinder in ihre Rollenspiele einbauen können. Die Technik bleibt gleich – nur der Einsatz wird spielerisch.
Beispiel 2: Vom Schlauch zur Schleife
(Raffen durch Vorder- und Rückseite)
Dieses Beispiel zeigt besonders gut, wie gezieltes Raffen eine klare Form entstehen lässt.
Mini-Anleitung:
1. Häkle einen kurzen Schlauch in abgeschlossenen Runden
(nur feste Maschen, keine Zu- oder Abnahmen)

Ich empfehle für die Schleife mindestens 40 halbe Stäbchen (oder feste Maschen) in einer Runde. Die Höhe kannst du variieren. Ich habe 5 Reihen halbe Stäbchen gehäkelt:

2. Lege den Schlauch flach vor dich
Vorder- und Rückseite liegen übereinander

1. Fädele den langen Abschluss-Faden auf eine Nadel und "vernähe" ihn bis zu der Stelle, an der du raffen möchtest
2. Steche nun mittig abwechselnd hoch und runter:
– durch die vordere Lage
– dann durch die hintere Lage
– immer entlang einer gedachten Mittellinie

3. Ziehe den Faden langsam zusammen

4. Fixiere die Mitte mit ein paar Stichen
🎀 Ergebnis:
Der Schlauch legt sich links und rechts wie Flügel – es entsteht eine Schleifenform. Diese ist besser fixiert und behält damit schöner seine Form, als wenn du nur den Schlauch mit einem Faden umwickelst.
Solche kleinen Schleifen eignen sich wunderbar, um Haargummis für Kinder zu schmücken oder als kleines Dekoelement an einem Kinderpullover befestigt zu werden. Kinder können hier gut mitentscheiden, wie auffällig oder dezent die Schleife sein soll.
Kinder kreativ einbinden
Gerade bei der Raff-Technik lassen sich Kinder wunderbar einbeziehen:
- Wo soll gerafft werden?
- Wie stark?
- Lieber mittig oder leicht versetzt?
Raffen im Alltag – ein Beispiel aus meinen Anleitungen
Wenn du die Raff-Technik gern direkt in einem größeren Projekt anwenden möchtest, findest du sie auch in meiner Häkelanleitung für eine Turbanmütze wieder.
Dort wird das Raffen gezielt eingesetzt, um die Form der Mütze zu gestalten und gleichzeitig einen bequemen Sitz zu ermöglichen – ganz ohne komplizierte Maschenfolgen oder ständiges Nachzählen.
Die Anleitung ist so aufgebaut, dass sie sich gut in den Familienalltag integrieren lässt: übersichtlich, anfängerfreundlich und mit klaren Schritten, sodass auch Häkelpausen kein Problem sind.

👉 Hier kannst du dir die Mützen-Häkelanleitung direkt auf Crazypatterns ansehen
Weniger Technikdruck, mehr Leichtigkeit
Raffen zeigt sehr schön:
- Man muss nicht ständig neue Muster lernen
- Kleine Techniken reichen oft aus
- Kreativität darf flexibel bleiben
Gerade im Familienalltag dürfen Häkelprojekte leicht, unterbrechbar und entspannt sein.
Übertragung auf andere Projekte
Die Raff-Technik lässt sich natürlich auch auf viele andere Projekte übertragen – eine Mütze ist dabei nur ein Beispiel dafür, wie viel Wirkung mit einer einfachen Technik entstehen kann.
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