CE-Zertifizierung für gehäkelte Kuscheltiere
Wenn man gehäkelte Amigurumis (Kuscheltiere oder Puppen) verkaufen möchte, taucht die Frage auf: „Brauche ich dafür ein CE-Zeichen?“
Die kurze Antwort: Es kommt darauf an.
Entscheidend ist nicht, ob etwas handgemacht ist, sondern wie es eingeordnet und beworben wird und für wen es bestimmt ist.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich zur allgemeinen Orientierung und stellt keine rechtliche Beratung dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die hier aufgeführten Punkte sollen einen Überblick geben, ersetzen jedoch keine offizielle Anleitung oder individuelle Prüfung. Für verbindliche und aktuelle Informationen zur CE-Kennzeichnung und den geltenden Anforderungen solltest du dich an die zuständigen Behörden oder die offiziellen Informationsseiten der Europäischen Union wenden. Nur dort erhältst du rechtssichere und vollständige Vorgaben zur Durchführung der Konformitätsbewertung.
In diesem Beitrag verwende ich den Begriff „Kuscheltiere“ stellvertretend für alle Arten von gehäkelten Figuren und Amigurumis, unabhängig von Form oder Gestaltung.
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1. Was bedeutet „CE“ bei Kuscheltieren überhaupt?
Das CE-Zeichen ist kein „Qualitätssiegel“, sondern eine rechtliche Hersteller-Erklärung. Mit dem CE-Zeichen erklärst du, dass dein Produkt alle einschlägigen EU-Anforderungen erfüllt und du die entsprechenden Nachweise (Technische Dokumentation, Konformitätserklärung usw.) vorhalten kannst.
Wichtig: Bei Spielzeug ist CE nicht optional. Spielzeuge (auch Kuscheltiere) dürfen in der EU nicht auf den Markt, wenn sie die Anforderungen nicht erfüllen.
2. Wann brauchst du CE für gehäkelte Kuscheltiere?
Die Kernfrage: Ist es „Spielzeug“?
Die EU-Spielzeugregeln gelten für Produkte, die „für das Spielen von Kindern bestimmt oder dafür vorgesehen“ sind (auch wenn nicht ausschließlich). Kuscheltiere werden in der Praxis häufig als Spielzeug eingeordnet.
Das heißt praktisch:
CE ist sehr wahrscheinlich nötig, wenn…
- du dein Kuscheltier als Spielzeug oder Kuscheltier bewirbst,
- du es als für Kinder geeignet darstellst,
- es typischerweise zum Spielen gedacht ist (z. B. „zum Kuscheln“, „fürs Kinderzimmer“, „für Babys“),
- du es mit einer jungen Altersgruppe verknüpfst.
CE ist eher nicht nötig, wenn…
- du es klar als Deko-Artikel (z. B. Türkranz) positionierst,
- du keinen Spielzeug-/Kinderbezug herstellst und es auch objektiv nicht „spieltypisch“ ist.
Aber: Die Einordnung hängt nicht nur am Text, sondern auch an Gesamteindruck, Aufmachung, Verkaufsort, Zielgruppe etc. Genau deshalb gibt es EU-Leitfäden zur Auslegung der Spielzeugregeln.
3. Betrifft das auch Hobby-Häkler und kleine Anbieter?
Ja. Die Pflichten hängen nicht von der „Unternehmensgröße“ ab. Wer ein Produkt in den Verkehr bringt (verkauft oder bereitstellt), übernimmt die Rolle des Herstellers im Sinne der Regeln, auch als Einzelperson oder kleines Handmade-Business.
4. Was gehört zur CE-Konformität bei handgefertigtem Spielzeug?
Wenn dein gehäkeltes Kuscheltier als Spielzeug gilt, läuft es in der EU in der Regel über die Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG.
Ablauf:
- Prüfe, ob dein Produkt als Spielzeug eingestuft wird.
- Erstelle eine Sicherheitsbewertung und Risikoanalyse
Du bist verpflichtet, eine Sicherheitsbewertung durchzuführen. Dabei analysierst du mögliche Gefahrenquellen wie:
verschluckbare Kleinteile (z. B. Sicherheitsaugen, Knöpfe), lösbare Anbauteile, austretende Füllung, Schnüre, Bänder oder Schlüsselringe (Strangulationsrisiko), Entflammbarkeit des Garns und der Füllung, chemische Bestandteile von Materialien oder Farben. - Berücksichtige die Anforderungen harmonisierter Normen
In der Praxis orientieren sich Hersteller häufig an der EN 71-Normenreihe für Spielzeug. - Um sicherzugehen, lassen viele Hersteller Prüfungen in einem spezialisierten Labor durchführen. Alternativ können geeignete Materialnachweise von Lieferanten ein Bestandteil der Dokumentation sein.
- Technische Dokumentation erstellen
Du musst eine vollständige technische Dokumentation anlegen. Dazu gehören unter anderem:
Produktbeschreibung, verwendete Materialien und Komponenten, Herstellungsprozess, Risikoanalyse, Prüfberichte oder Materialnachweise, Kennzeichnung und Warnhinweise. - Diese Unterlagen müssen über mehrere Jahre aufbewahrt werden und bei einer Kontrolle durch die Marktüberwachung vorgelegt werden können.
- Stelle eine EU-Konformitätserklärung aus
Wenn alle Anforderungen erfüllt sind, erstellst und unterschreibst du die EU-Konformitätserklärung. Damit erklärst du offiziell, dass dein Produkt den geltenden Vorschriften entspricht. - Bringe die CE-Kennzeichnung an
Erst danach darfst du das CE-Zeichen auf dem Produkt, der Verpackung oder einem Etikett anbringen. Das CE-Zeichen ist keine separate Zertifizierung durch eine Behörde, sondern deine eigene rechtsverbindliche Erklärung als Hersteller.
Wichtig: Das CE-Zeichen darf erst verwendet werden, wenn du die Einhaltung aller relevanten Anforderungen tatsächlich belegen kannst.
5. Kann ich die CE-Konformität selbst durchführen oder brauche ich eine Prüfstelle?
Grundsätzlich basiert die CE-Kennzeichnung im Spielzeugbereich in vielen Fällen auf einer sogenannten Hersteller-Selbsterklärung. Das bedeutet, dass du als Hersteller die Verantwortung trägst, die Konformitätsbewertung durchzuführen, die technische Dokumentation zu erstellen, eine EU-Konformitätserklärung auszustellen und anschließend das CE-Zeichen anzubringen.
Bestimmte Prüfungen lassen sich realistisch nicht zuhause durchführen, weshalb viele Hersteller spezialisierte Prüflabore beauftragen.
6. Brauche ich für jedes einzelne gehäkelte Kuscheltier eine eigene CE-Prüfung?
Nein, für jedes einzelne Exemplar brauchst du keine eigene neue CE-Prüfung. Entscheidend ist das jeweilige Produktmodell. Wenn du mehrere identische Figuren nach demselben Muster, mit denselben Materialien und demselben Herstellprozess herstellst, gelten sie rechtlich als ein Modell. In diesem Fall bezieht sich die Konformitätsbewertung auf dieses konkrete Produkt in genau dieser Ausführung.
Wichtig ist jedoch, dass alle produzierten Exemplare tatsächlich identisch sind. Das betrifft unter anderem Garn, Füllmaterial, Augen oder andere Anbauteile, Größe, Verarbeitung und Konstruktion. Sobald du etwas veränderst, zum Beispiel andere Sicherheitsaugen verwendest, ein anderes Garn nutzt, die Größe anpasst oder zusätzliche Details anbringst, kann das eine neue Risikobewertung erforderlich machen.
7. Häufige Missverständnisse
„Wenn ich ‚nur Deko‘ schreibe, bin ich sicher.“
Nicht automatisch. Wenn das Produkt objektiv wie ein Spielzeug wirkt oder an Kinder vermarktet wird, kann es trotzdem als Spielzeug eingestuft werden.
„Ich verkaufe nur online über eine Plattform, dann ist das nicht mein Problem.“
Falsch. Plattformen können Unterlagen anfordern, aber verantwortlich bleibt der Inverkehrbringer bzw. Hersteller.
„Wenn ich nur Anleitungen verkaufe, brauche ich CE.“
Nein, eine Häkelanleitung ist kein physisches Produkt, also kein CE-Produkt. CE betrifft das Spielzeug, nicht die PDF. Relevant wird es erst, wenn du fertige Kuscheltiere verkaufst oder Material-Kits als Spielzeug in Verkehr bringst.
8. Rechtliche Folgen, wenn CE-Regeln nicht korrekt eingehalten werden
Wenn ein Produkt, das CE-pflichtig ist, ohne korrekte CE-Kennzeichnung verkauft oder in Verkehr gebracht wird, können Behörden einschreiten und verschiedene Maßnahmen ergreifen. Behörden kontrollieren regelmäßig Produkte am Markt und prüfen, ob sie den Vorschriften entsprechen.
- Verstöße können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Je nach Land und Schwere des Verstoßes sind Bußgelder möglich, die im Bereich von mehreren Tausend Euro liegen können.
- Im Onlinehandel kann es vorkommen, dass ein Mitbewerber deinen Shop abmahnt, wenn du Produkte ohne erforderliche CE-Kennzeichnung anbietest. Solche Abmahnungen können zusätzliche Kosten auslösen.
- Behörden können verlangen, dass Produkte vom Markt genommen oder sogar aus den Händen von Kunden zurückgerufen werden.
In extremen Fällen kann die Missachtung von Produktpflichten auch zu weiteren rechtlichen Schritten führen, insbesondere wenn ein unsicheres Produkt nachweislich Schäden verursacht. Behörden und Gerichte können dann weitere Sanktionen verhängen oder rechtliche Haftungsfragen aufwerfen.
9. Gilt die CE-Pflicht auch, wenn ich ein Kuscheltier verschenken möchte?
Wenn du ein gehäkeltes Kuscheltier rein privat herstellst und im privaten Rahmen verschenkst, ohne es zu verkaufen oder im Rahmen einer Geschäftstätigkeit bereitzustellen, gilt das rechtlich in der Regel nicht als Inverkehrbringen im Sinne der Produktsicherheitsvorschriften.
Das bedeutet: Für ein einzelnes, privat gehäkeltes Geschenk im Freundes- oder Familienkreis ist normalerweise keine CE-Kennzeichnung erforderlich.
Unabhängig von der CE-Frage bleibt natürlich die Verantwortung für die Sicherheit bestehen. Auch bei privaten Geschenken sollte man sorgfältig arbeiten, keine verschluckbaren Kleinteile bei sehr kleinen Kindern verwenden und mögliche Risiken bedenken.
Fazit
Nach allem, was ich zu diesem Thema recherchiert und zusammengetragen habe, rate ich persönlich eher vom Verkauf fertiger gehäkelter Kuscheltiere als Spielzeug ab. Zumindest dann, wenn man den vollständigen CE-Prozess nicht ernsthaft und sauber durchlaufen möchte. Die Anforderungen sind umfangreich und die Verantwortung liegt vollständig beim Hersteller. Gerade im Handarbeitsbereich wird das oft unterschätzt.
Wenn man auf der sicheren Seite stehen möchte, sollte man entweder bereit sein, die gesetzlichen Anforderungen vollständig umzusetzen, oder bewusst darauf verzichten, fertige Figuren als Spielzeug zu verkaufen. Für mich persönlich ist deshalb der Verkauf von Anleitungen oder klar deklarierten Dekoartikeln der deutlich entspanntere und rechtssichere Weg.
Schlusswort
Ich hoffe, dieser Beitrag konnte etwas Klarheit in ein komplexes Thema bringen. Die gesetzlichen Vorgaben rund um CE-Kennzeichnung und Spielzeugsicherheit sind nicht immer einfach zu durchschauen, aber sie sind wichtig, sowohl für die eigene Sicherheit als Anbieter als auch für die Sicherheit der Käufer.
Informiere dich im Zweifel immer direkt bei den offiziellen Stellen und nimm dir ausreichend Zeit, bevor du dich für oder gegen den Verkauf fertiger Produkte entscheidest. Eine bewusste Entscheidung ist hier immer besser als ein unbedachtes Risiko.
Liebe Grüße Nancy
Von Silvisunflower ♡
Stand: 19.02.2026