Nähen als neues Hobby
Nähen ist ein kreatives Hobby, bei dem bereits mit wenigen Grundlagen ganz unterschiedliche Dinge entstehen können. Von kleinen Dekorationen und praktischen Alltagshelfern bis hin zu Taschen oder der eigenen Kleidung gibt es unzählige Möglichkeiten, sich kreativ auszuprobieren.
Gerade am Anfang kann das Nähen allerdings etwas überwältigend wirken. Plötzlich begegnen einem Begriffe wie Nahtzugabe, Fadenlauf oder Versäubern, die Nähmaschine hat zahlreiche Einstellungen und dann gibt es auch noch verschiedene Stoffe, Nadeln und Garne.
Du musst aber nicht alles auf einmal lernen. Für deine ersten Projekte reichen eine einfache Grundausstattung, ein unkomplizierter Stoff und einige grundlegende Nähtechniken vollkommen aus. In diesem Beitrag bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Dinge, die dir den Einstieg ins Nähen erleichtern können.
1. Was brauche ich für den Einstieg ins Nähen?
Was brauche ich, um mit dem Nähen anzufangen?
Für den Anfang benötigst du keine große Sammlung an Nähzubehör. Viele Dinge kommen erst mit der Zeit dazu, wenn du merkst, welche Projekte du gerne nähst und welches Zubehör dir die Arbeit erleichtert.
Die wichtigste Grundlage ist natürlich eine Nähmaschine. Für die ersten Projekte reicht ein einfaches Modell vollkommen aus. Viel wichtiger als zahlreiche zusätzliche Funktionen ist, dass du dich mit deiner Maschine vertraut machst und weißt, wie du sie richtig einfädelst und die grundlegenden Stiche einstellst. Außerdem benötigst du eine scharfe Stoffschere. Diese solltest du möglichst ausschließlich für Stoff verwenden, da Papier die Schneide mit der Zeit stumpf machen kann. Zum Abmessen eignen sich ein Maßband und ein Lineal, während du zum Übertragen von Linien oder Markierungen Schneiderkreide oder einen geeigneten Stoffmarkierstift verwenden kannst. Stecknadeln oder Stoffklammern helfen dir dabei, mehrere Stofflagen vor dem Nähen miteinander zu fixieren. Zusätzlich benötigst du passendes Nähgarn, Nähmaschinennadeln und natürlich passenden Stoff.
Ein kleines Werkzeug, das vermutlich früher oder später ebenfalls zum Einsatz kommt, ist ein Nahttrenner. Gerade am Anfang wird nicht jede Naht beim ersten Versuch so, wie man sie gerne hätte. Eine Naht wieder aufzutrennen gehört zum Nähen ganz selbstverständlich dazu. Auch ein Bügeleisen sollte nicht unterschätzt werden. Stoff vor dem Zuschneiden zu bügeln und Nähte während eines Projekts immer wieder glatt zu bügeln, kann einen großen Unterschied beim fertigen Ergebnis machen.
Welche Nähmaschine eignet sich für Anfänger?
Für die ersten Nähprojekte brauchst du keine besonders teure Nähmaschine mit unzähligen verschiedenen Sticharten. Eine einfache Maschine mit den grundlegenden Funktionen reicht in den meisten Fällen völlig aus. Wenn du Geld sparen möchtest oder nachhaltiger Kaufen möchtest, kannst du dir auch eine gute gebrauchte Nähmaschine kaufen. Wohnst du in oder in der Nähe von einer Großstadt findest du dort sicherlich auch Anlaufstellen wo du dir eine Nähmaschine ausleihen kannst.
Viel wichtiger ist, dass du deine eigene Nähmaschine kennenlernst. Schau dir deshalb am besten zunächst die Bedienungsanleitung deines Modells an. Dort wird erklärt, wie Ober- und Unterfaden eingefädelt werden, wie die Spule eingesetzt wird und welche Einstellungen deine Maschine bietet. Oft findest du im Internet auch Videos, welche den Umgang mit der Nähmaschine ausführlich und gut verständlich erklären. Falls du dennoch Schwierigkeiten haben solltest, kannst du in deiner Gegend schauen, ob jemand Nähkurse für Anfänger anbietet. In solchen Kursen lernst du mit der Nähmaschine umzugehen, sowie das Umsetzen deiner ersten kleinen Nähprojekte.
Welcher Stoff eignet sich für die ersten Nähprojekte?
Nicht jeder Stoff lässt sich gleich einfach verarbeiten. Gerade für die ersten Nähversuche würde ich einen festen, nicht elastischen Baumwollstoff empfehlen. Solche Stoffe verrutschen beim Zuschneiden und Nähen vergleichsweise wenig und lassen sich gut unter der Nähmaschine führen. Außerdem sind die einzelnen Nähte auf dem Stoff meist gut zu erkennen, was das Üben erleichtert.
Sehr elastische Stoffe wie Jersey können am Anfang schwieriger sein, da sie sich während des Nähens dehnen und verziehen können. Auch sehr dünne, glatte oder rutschige Stoffe sind für die ersten Projekte nicht unbedingt die einfachste Wahl.
Welche Nadel und welches Garn brauche ich?
Welche Nähmaschinennadel du benötigst, hängt vom verwendeten Stoff ab. Für viele einfache Webstoffe und Baumwollstoffe eignet sich eine Universalnadel. Für andere Materialien gibt es spezielle Nadeln. Jersey- und Stretchnadeln sind beispielsweise für elastische Stoffe gedacht, während Jeansnadeln für besonders feste und dicke Materialien verwendet werden. Auch die Stärke der Nadel sollte zum Stoff passen. Dünne Stoffe benötigen eine feinere Nadel als sehr feste oder dicke Materialien.
Beim Garn kannst du für viele erste Projekte ein gewöhnliches hochwertiges Nähgarn aus Baumwolle verwenden. Wichtig ist vor allem, dass Garn, Stoff und Nadel zueinander passen. Wenn du dir unsicher bist, kannst du auf einem kleinen Reststück deines Stoffes zunächst eine Probenaht nähen. So erkennst du schnell, ob die gewählte Kombination gut funktioniert.
2. Wie lerne ich meine Nähmaschine kennen?
Welche Stiche sollte ich als Anfänger kennen?
Die große Auswahl an Stichen einer Nähmaschine kann am Anfang kompliziert aussehen. Tatsächlich benötigst du für viele einfache Projekte zunächst nur wenige davon. Der wichtigste Stich ist der Geradstich. Mit ihm werden beispielsweise zwei Stoffteile miteinander verbunden. Einen Großteil deiner ersten Nähte wirst du wahrscheinlich mit diesem Stich nähen. Daneben ist der Zickzackstich sehr praktisch. Er kann unter anderem verwendet werden, um offene Stoffkanten zu versäubern und dadurch das Ausfransen zu reduzieren.
Viele Nähmaschinen besitzen darüber hinaus zahlreiche weitere Nutz- und Zierstiche. Diese kannst du später ausprobieren. Für den Einstieg musst du jedoch längst nicht alle Funktionen deiner Maschine kennen.
Muss meine erste Naht perfekt sein?
Nein. Nähen ist eine handwerkliche Fähigkeit und braucht Übung. Gerade zu Beginn kann es passieren, dass eine Naht schief wird, du eine falsche Stelle zusammennähst oder dein Ergebnis anders aussieht als auf dem Bild der Anleitung. Das gehört zum Lernen dazu. Mit jedem Projekt lernst du deine Maschine etwas besser kennen. Du bekommst ein Gefühl dafür, wie schnell du nähen möchtest, wie du Stoff am angenehmsten führst und wie viel Nahtzugabe du tatsächlich vor dir hast.
Wie nähe ich möglichst gerade?
Eine gerade Naht ist eine dieser Grundlagen, die zunächst einfacher aussieht, als sie manchmal ist. Gerade am Anfang ist es vollkommen normal, wenn eine Naht nicht überall exakt gerade verläuft.
Versuche nicht, ständig auf die Nadel zu schauen. Orientiere dich stattdessen an einer Markierung auf der Stichplatte und führe die Stoffkante daran entlang. Dadurch kannst du einen gleichmäßigeren Abstand halten. Der Stoff sollte dabei nicht gezogen oder nach vorne geschoben werden. Der Transporteur der Nähmaschine bewegt ihn selbstständig weiter. Deine Hände helfen lediglich dabei, ihn in die richtige Richtung zu führen.
Nähe zunächst lieber etwas langsamer. Mit zunehmender Übung werden deine Bewegungen sicherer und du kannst das Tempo automatisch erhöhen.
3. Welche weiteren Grundlagen sollte ich vor meinem ersten Projekt kennen?
Welche Nähbegriffe sollte ich am Anfang kennen?
Wenn du deine erste Nähanleitung öffnest, begegnen dir wahrscheinlich einige Begriffe, die zunächst nicht selbstverständlich sind. Du musst nicht sofort jedes Fachwort kennen, einige Grundlagen erleichtern das Lesen einer Anleitung jedoch deutlich.
Die rechte Stoffseite ist die Seite, die später normalerweise sichtbar sein soll. Bei einem gemusterten Stoff ist das beispielsweise die Seite, auf der das Muster deutlich zu erkennen ist. Die linke Stoffseite bezeichnet entsprechend die Rückseite, welche später nicht mehr sichtbar sein wird.
Sehr häufig wirst du auch die Formulierung „rechts auf rechts“ lesen. Dabei werden zwei Stoffteile mit ihren schönen beziehungsweise rechten Seiten aufeinandergelegt. Genäht wird anschließend meist auf den linken Stoffseiten.
Die Nahtzugabe ist der Abstand zwischen der späteren Naht und der zugeschnittenen Stoffkante. Wie breit sie sein soll, hängt von der jeweiligen Anleitung ab. Deshalb solltest du vor dem Zuschneiden immer prüfen, ob die Nahtzugabe bereits im Schnittmuster enthalten ist oder noch hinzugefügt werden muss.
Beim Versäubern werden offene Stoffkanten so verarbeitet, dass sie später möglichst nicht ausfransen. Ohne Overlockmaschine kannst du dafür bei vielen Stoffen beispielsweise den Zickzackstich deiner normalen Nähmaschine verwenden.
Ein Saum entsteht häufig am unteren Rand eines Kleidungsstücks, einer Tischdecke oder eines anderen Nähprojekts. Dabei wird die offene Stoffkante nach innen gelegt und festgenäht, sodass ein sauberer Abschluss entsteht.
Auch der Stoffbruch begegnet dir häufig bei Schnittmustern. Liegt ein Schnittteil am Stoffbruch, wird der Stoff zunächst gefaltet und das Schnittteil direkt an dieser gefalteten Kante angelegt. Nach dem Zuschneiden und Aufklappen erhältst du dadurch ein spiegelgleiches Stoffteil.
In Nähanleitungen wirst du häufig lesen, dass eine Naht am Anfang und am Ende verriegelt werden soll.
Damit sich die Naht später nicht wieder löst, nähst du zu Beginn zunächst einige Stiche vorwärts, anschließend wenige Stiche rückwärts und danach wieder nach vorne. Am Ende der Naht wiederholst du diesen Vorgang. Hinweis: Viele Nähmaschinen besitzen dafür eine Taste oder einen Hebel zum Rückwärtsnähen.
Was ist der Fadenlauf und wofür ist er wichtig?
Auf vielen Schnittmustern findest du einen Pfeil, der den Fadenlauf kennzeichnet. Dieser zeigt dir, wie das Schnittteil auf dem Stoff ausgerichtet werden soll. Gewebte Stoffe bestehen aus Fäden, die längs und quer miteinander verwoben sind. Die Ausrichtung beeinflusst unter anderem, wie sich der Stoff verhält und fällt. Besonders bei Kleidung ist es deshalb wichtig, Schnittteile nicht einfach irgendwie auf dem Stoff zu platzieren, nur damit möglichst wenig Stoff verbraucht wird. Orientiere dich beim Zuschneiden an den Angaben im Schnittmuster.
Bei sehr einfachen Projekten aus rechteckigen Stoffstücken spielt dieses Thema zunächst eine kleinere Rolle. Spätestens wenn du mit richtigen Schnittmustern arbeitest, solltest du dich jedoch mit dem Fadenlauf beschäftigen.
Muss ich schon als Anfänger Schnittmuster verwenden?
Nein, nicht unbedingt. Viele einfache Projekte lassen sich anhand von Maßen oder einer kleinen Schablone zuschneiden. Ein Schnittmuster wird besonders dann wichtig, wenn die Form komplizierter wird oder verschiedene Teile exakt zusammenpassen müssen. Das ist beispielsweise bei Kleidung der Fall.
Du musst dich aber auch vor deinem ersten Schnittmuster nicht fürchten. Beginne am besten mit einem einfach gehaltenen Modell und lies dir die dazugehörige Anleitung einmal vollständig durch, bevor du den Stoff zuschneidest. Achte dabei besonders darauf, welche Größe du benötigst, ob eine Nahtzugabe enthalten ist, wie die einzelnen Schnittteile auf dem Stoff liegen müssen und welche Markierungen übertragen werden sollen. Viele Anleitungen (inklusive Schnittmuster) geben auch einen Schwierigkeitsgrad an, an welchem du dich gut orientieren kannst.
Was sollte ich beim Zuschneiden beachten?
Beim Nähen beginnt die Genauigkeit nicht erst an der Nähmaschine. Ein sauberer Zuschnitt erleichtert später viele weitere Arbeitsschritte. Breite deinen Stoff möglichst glatt aus und bügle ihn bei Bedarf vorher. Lege anschließend dein Schnittmuster oder deine Schablone darauf und fixiere sie so, dass beim Anzeichnen oder Schneiden nichts verrutscht. Kontrolliere noch einmal alle Maße und achte darauf, ob eine Nahtzugabe bereits enthalten ist. Erst wenn alles stimmt, solltest du zuschneiden. Gerade bei größeren Projekten lohnt es sich, lieber einmal mehr zu kontrollieren. Eine falsche Naht kann wieder aufgetrennt werden, ein zu klein zugeschnittenes Stoffstück lässt sich dagegen häufig nicht mehr retten.
4. Womit starte ich mein erstes Nähprojekt?
Welche Projekte eignen sich besonders gut für Nähanfänger?
Für dein erstes Projekt eignen sich vor allem Dinge mit wenigen Schnittteilen und möglichst vielen geraden Nähten. Ein einfacher Kissenbezug ist beispielsweise ein guter Einstieg. Dabei kannst du das Zuschneiden, das Zusammennähen von Stoffteilen und das Nähen gerader Nähte üben. Auch kleine Stoffbeutel, einfache Taschen, Tischsets, Untersetzer oder andere kleine Alltagshelfer eignen sich gut. Viele dieser Projekte bestehen hauptsächlich aus rechteckigen Stoffstücken und benötigen weder Reißverschlüsse noch komplizierte Verschlüsse.
Wähle am besten ein Projekt, das dir wirklich gefällt und das du später auch verwenden möchtest. Ein fertiges Stück in den Händen zu halten, auf das man sich bereits während des Nähens gefreut hat, ist eine schöne Motivation für das nächste Projekt.
Wenn du direkt mit einem kleinen und überschaubaren Projekt starten möchtest, findest du in meinen Shop verschiedene Ideen zum Nachnähen. Schau dort gerne vorbei und suche dir ein Projekt aus, das zu deinem aktuellen Kenntnisstand passt.
Fazit
Auch ich bin noch lange kein Nähprofi und habe selbst noch vieles zu lernen. Meine Ausstattung ist ebenfalls alles andere als vollständig. Ich besitze kein großes Sammelsurium an Nähzubehör und mir fehlen einige Dinge, die andere vielleicht als selbstverständlich ansehen würden.
Ich selbst nähe bisher mit einer recht simplen Nähmaschine, die nur die grundlegenden Einstellungen besitzt. Für viele meiner bisherigen Projekte reicht sie vollkommen aus, bei dickeren Stofflagen und Nähten kommt sie allerdings regelmäßig an ihre Grenzen und verkantet sich. Auch ein Bügeleisen besitze ich beispielsweise nicht. Wenn ich beim Nähen etwas ausbügeln muss, kommt bei mir stattdessen einfach mein Glätteisen zum Einsatz. Ich verwende als Stoff meistens alte Baumwollbettwäsche, welche ich Second-Hand gekauft habe oder simple und günstige Kissenbezüge aus dem Ein-Euro-Shop.
Trotzdem entstehen am Ende schöne Ergebnisse, mit denen ich zufrieden bin. Genau das finde ich für den Einstieg wichtig: Man muss nicht zuerst eine komplette Nähecke voller Zubehör besitzen, bevor man überhaupt anfangen kann.
In den nächsten Monaten möchte ich dennoch in eine neue und bessere Nähmaschine investieren. Mittlerweile gibt es einige Projekte, die ich gerne ausprobieren würde, bei denen meine jetzige Maschine technisch einfach nicht mehr mitkommt. Für mich ist das aber auch ein schönes Zeichen dafür, dass sich mein Hobby weiterentwickelt und meine Ansprüche und mein Können mit der Zeit gewachsen sind.
Schlusswort
Ich hoffe, dieser Beitrag konnte dir einen ersten Überblick geben und dir den Einstieg ins Nähen ein wenig erleichtern. Du musst nicht von Anfang an alles können. Suche dir ein kleines Projekt aus, nimm dir genügend Zeit und lerne die einzelnen Techniken nach und nach kennen.
Wenn du selbst gerade mit dem Nähen begonnen hast oder schon etwas länger dabei bist, kannst du deine Erfahrungen und Tipps gerne in den Kommentaren teilen. Vielleicht hilft deine Erfahrung auch anderen dabei, ihre ersten Schritte an der Nähmaschine zu machen.
Viel Freude beim Start in dein (vielleicht) neues Hobby!
Liebe Grüße Nancy
Von Silvisunflower ♡