Kennt ihr das auch? Nach fast jedem Nähprojekt bleiben Stoffreste übrig. Manche Stücke sind noch groß genug, um daraus eine kleine Applikation zu nähen. Andere sind so klein oder ungünstig geschnitten, dass sie für ein weiteres Nähprojekt kaum noch infrage kommen. Zum Wegwerfen sind sie aber trotzdem viel zu schade.
Bei mir sammeln sich vor allem Jerseyreste an. Deshalb bin ich immer auf der Suche nach Ideen, bei denen auch kleinere Stoffstücke noch einmal richtig zur Geltung kommen. Dabei bin ich auf Kinusaiga gestoßen – eine Technik, bei der aus vielen einzelnen Stoffflächen ein vollständiges Bild entsteht. Genäht wird dabei nicht.
Das klang für mich nach einer ausgesprochen interessanten Möglichkeit zur Stoffresteverwertung und musste natürlich ausprobiert werden. Für meinen ersten Versuch habe ich das Motiv „Sonnenaufgang auf den Hügeln“ gestaltet. Nachdem ich dabei ein erstes Gefühl für die Technik bekommen habe, möchte ich euch an einem zweiten Landschaftsmotiv Schritt für Schritt zeigen, wie das Ganze funktioniert.
Das zweite Bild zeigt im Vordergrund das Meer mit einem kleinen Boot. Im Hintergrund liegen einige Berge, darüber befinden sich Himmel und Sonne. Die Vorlage besteht überwiegend aus größeren und klar voneinander getrennten Flächen. Dadurch eignet sie sich gut für eine Anleitung, ohne dass das Motiv nur aus einfachen geometrischen Formen besteht.
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Was ist Kinusaiga?
Kinusaiga wird häufig als „Malen mit Stoff“ bezeichnet. Diese Beschreibung passt erstaunlich gut, denn statt mit Pinsel und Farbe wird das Bild aus einzelnen Stoffstücken zusammengesetzt.
Dafür wird ein Motiv auf eine feste, aber einschneidbare Platte gelegt. Entlang der Konturen werden schmale Rillen eingeschnitten. Anschließend werden die Stoffstücke auf die entsprechenden Flächen gelegt und ihre Ränder mit einem stumpfen Werkzeug in die vorbereiteten Schlitze gedrückt.
Die einzelnen Stoffstücke werden dabei nicht miteinander vernäht. Ihre Kanten verschwinden vollständig in der Platte und treffen dort auf die angrenzenden Stoffflächen. So entsteht nach und nach eine geschlossene Oberfläche, die ein wenig an Patchwork, Intarsien oder ein Mosaik erinnert.
Der besondere Reiz liegt für mich darin, dass Stoff hier nicht nur eine Fläche bedeckt. Farbe, Muster, Glanz und Struktur übernehmen die Aufgabe von Pinsel und Farbe. Je nachdem, welcher Stoff für einen bestimmten Bereich ausgewählt wird, kann das gleiche Motiv völlig unterschiedlich wirken.
Von der Kimekomi-Puppe zum Stoffbild
Die Idee hinter Kinusaiga lässt sich leichter verstehen, wenn man sich zunächst die traditionellen japanischen Kimekomi-Puppen anschaut. Bei ihrer Herstellung werden Rillen in einen festen Puppenkörper eingearbeitet. Kleine Stoffstücke werden darübergelegt und mit ihren Kanten in diese Vertiefungen gedrückt. Auf diese Weise entstehen die farbenprächtigen Gewänder der Figuren.
Kimekomi-Puppen gehören zur traditionellen japanischen Puppenkunst. Die Technik entwickelte sich im 18. Jahrhundert in Kyoto und wird bis heute für unterschiedliche Puppenarten verwendet.
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By Yoshio Kohara, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56683481
Die japanische Grafikdesignerin und Künstlerin Setsu Maeno übertrug dieses dreidimensionale Prinzip später auf flache Bildträger. Statt einen Puppenkörper mit Stoff zu bekleiden, nutzte sie Stoffstücke, um vollständige Bilder zu gestalten. Für ihre Arbeiten verwendete sie vor allem Seidenstoffe, darunter auch Stoffe aus alten Kimonos.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Farbe. Auch die Webstruktur, der Glanz und das Muster eines Stoffes wurden bewusst in die Gestaltung einbezogen. Der Stoff war für sie deshalb nicht einfach ein Bastelmaterial, sondern übernahm tatsächlich die Funktion von Farbe.
Genau dieser Gedanke gefällt mir an Kinusaiga besonders gut. Ein Stoffrest wird nicht möglichst unauffällig aufgebraucht, sondern ganz bewusst wegen seiner Farbe, seiner Struktur oder seines Musters ausgewählt.
Meine Variante mit Jersey und doppelseitigem Klebeband entspricht natürlich nicht der ursprünglichen Arbeit mit Kimonoseide. Sie greift aber den Grundgedanken auf und überträgt ihn auf Materialien, die bei mir ohnehin vorhanden sind.
Welche Stoffe eignen sich?
Traditionell wurden für Kinusaiga vor allem Seidenstoffe verwendet. Für heutige Hobbyprojekte kommen häufig Baumwollwebware, Patchworkstoffe oder Leinen zum Einsatz. Diese Materialien sind relativ formstabil und lassen sich deshalb gut zuschneiden und in die Rillen drücken.
Bei mir fallen allerdings vor allem Jerseyreste an. Jersey hat für diese Technik sowohl Vor- als auch Nachteile. Er franst an den Schnittkanten kaum aus und legt sich durch seine Dehnbarkeit gut um geschwungene Formen. Gleichzeitig kann er sich beim Arbeiten verziehen, einrollen oder ungewollt gedehnt werden.
Um den Stoff auf der Fläche zu stabilisieren, beklebe ich meine Styrolplatte deshalb zunächst mit doppelseitigem Transfer-Klebeband. Der Jersey haftet dadurch bereits auf dem Untergrund, bevor ich seine Kanten in die eingeschnittenen Linien drücke. So lässt er sich kontrollierter verarbeiten und verschiebt sich nicht so leicht.
Für mein Bild verwende ich das doppelseitige Transfer-Klebeband 3M 468MP. Es ist sehr dünn und trägt deshalb unter dem Stoff kaum auf. Die einzelnen Klebebandstücke sind 20 × 20 cm groß. Je nach Größe des Motivs kann die Styrolplatte passend zugeschnitten oder aus mehreren Klebebandstücken beklebt werden.
Bei größeren Bildern sollten die Klebebandstücke möglichst sauber aneinanderstoßen und sich nicht überlappen. Besonders unter dünnem Jersey könnten sich solche Übergänge sonst später abzeichnen.
Sehr weichen oder stark elastischen Viskosejersey würde ich für einen ersten Versuch eher vermeiden. Ein etwas festerer Baumwolljersey lässt sich deutlich leichter kontrollieren.
Welche Vorlagen eignen sich für Kinusaiga?
Nicht jede Zeichnung lässt sich automatisch als Kinusaiga-Vorlage verwenden. Für den Anfang eignen sich vor allem Motive mit größeren, klar voneinander getrennten Flächen. Sehr kleine Details, schmale Spitzen und enge Kurven machen das Einsetzen der Stoffstücke unnötig schwierig.
Schon bei der Auswahl sollte man überlegen, wie die einzelnen Stoffteile später eingesetzt werden. Jede Linie der Vorlage trennt zwei Stoffflächen voneinander. Vollständig eingeschlossene kleine Formen können deshalb problematisch sein, wenn der umgebende Bereich nicht zusätzlich unterteilt wird.
Ein gutes Beispiel dafür ist ein Fliegenpilz mit weißen Punkten. Soll jeder Punkt aus einem eigenen Stoff bestehen, muss die Pilzkappe durch zusätzliche Linien in einzelne Bereiche aufgeteilt werden. Andernfalls wäre die gesamte Kappe eine zusammenhängende rote Stofffläche. Die weißen Punkte könnten dann nicht einfach ausgespart und separat eingesetzt werden.
Bei der Suche nach geeigneten Vorlagen lohnt es sich, den gewünschten Begriff mit „Mosaik“, „Vorlage“ oder „Ausmalbild“ zu kombinieren. Mosaikmotive bestehen häufig bereits aus klar abgegrenzten Flächen und lassen sich deshalb gut auf Kinusaiga übertragen.
Auch einfache Ausmalbilder können verwendet werden. Achtet dabei möglichst auf deutliche Konturen und nicht zu kleinteilige Formen. Fehlen sinnvolle Unterteilungen, könnt ihr zusätzliche Trennlinien selbst einzeichnen. Diese können beispielsweise einer natürlichen Wölbung, einem Schatten oder dem Verlauf einer Form folgen. So wirken sie später wie ein bewusster Bestandteil des Motivs und nicht wie eine nachträglich eingefügte Hilfslinie.
Kontrolliert eure Vorlage vor dem Zuschneiden noch einmal genau. Jede eingezeichnete Fläche sollte sich später als einzelnes Stoffstück zuschneiden und einsetzen lassen.
Für meine Anleitung verwende ich ein Landschaftsmotiv mit Meer, Boot, Bergen, Himmel und Sonne. Das Boot ist bewusst schlicht gehalten und besteht nur aus wenigen größeren Flächen. Kleine Fenster, feine Seile oder andere Details würden das Motiv unnötig friemelig machen.
Das benötigt ihr
Für mein Kinusaiga-Bild verwende ich:
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eine 2 cm starke Styrolplatte
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eine ausgedruckte Motivvorlage
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verschiedene Jerseyreste und andere Stoffreste (French Terry, Baumwoll-Webware, Canvas,...)
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3M 468MP doppelseitiges Transfer-Klebeband
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Washi Tape oder anderes leicht ablösbares Klebeband
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ein scharfes Bastelmesser oder Skalpell
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eine schnittfeste Unterlage
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eine Stoffschere
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ein stumpfes, glattes Werkzeug zum Eindrücken der Stoffkanten
Zum Eindrücken könnt ihr beispielsweise eine stumpfe Stricknadel, ein Falzbein, einen Nagelhautschieber aus Holz oder Kunststoff oder ein Modellierwerkzeug verwenden. Entscheidend ist, dass das Werkzeug glatt ist und weder einen Haken noch eine scharfe Kante besitzt.
Eine Häkelnadel ist trotz ihrer handlichen Form eher weniger geeignet. Der Haken könnte einzelne Maschen des Jerseys greifen und kleine Schlaufen herausziehen.
Ich werde zunächst eine stumpfe Stricknadel testen. Für längere Linien kann zusätzlich ein etwas breiteres, flaches Werkzeug praktisch sein.
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Sicherheitshinweis
Die Konturen werden mit einem sehr scharfen Messer in die Styrolplatte geschnitten. Arbeitet deshalb immer auf einer schnittfesten Unterlage und schneidet möglichst vom Körper weg. Dieser Arbeitsschritt sollte nicht von Kindern ausgeführt werden.
Die Styrolplatte vorbereiten
Zuerst wird die 2 cm starke Styrolplatte auf die gewünschte Größe zugeschnitten. Die Maße richten sich dabei nach eurer Vorlage. Ihr könnt die Platte entweder passend zu einem 20 × 20 cm großen Stück Transfer-Klebeband wählen oder bei einem größeren Motiv mehrere Klebebandstücke zusammensetzen.
Anschließend wird die Vorderseite der Styrolplatte vollständig mit dem Transfer-Klebeband beklebt. Reibt das Klebeband sorgfältig und möglichst glatt fest. Das Schutzpapier auf der Oberseite bleibt zunächst vollständig erhalten.
Falls ihr mehrere Stücke verwendet, sollten sie sauber aneinanderstoßen. Überlappungen könnten sich später unter dem Stoff abzeichnen.
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Vorlage befestigen und Konturen einschneiden
Da das Transfer-Klebeband bereits auf der Platte liegt, übertrage ich die Vorlage nicht mit Kopierpapier. Stattdessen lege ich das ausgedruckte Motiv direkt auf das noch vorhandene Schutzpapier des Klebebandes.
Richtet die Vorlage sorgfältig aus und befestigt sie am Rand mit einigen Streifen Washi Tape. Das Papier darf während des Schneidens nicht verrutschen.
Nun schneidet ihr mit einem scharfen Bastelmesser direkt entlang der Linien. Dabei wird gleichzeitig durch die Papiervorlage, das Schutzpapier des Transfer-Klebebandes und einige Millimeter tief in die Styrolplatte geschnitten.
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Arbeitet lieber mit wenig Druck und fahrt eine Linie bei Bedarf ein zweites Mal nach. Die Styrolplatte darf nicht vollständig durchtrennt werden.
Bei Rundungen ist es meist einfacher, die Platte langsam zu drehen, anstatt das Messer mit starkem Druck um die Kurve zu führen.
Nachdem alle Konturen eingeschnitten sind, löst ihr das Washi Tape und entfernt vorsichtig die Papiervorlage. Die Schnittlinien befinden sich nun direkt in der beklebten Styrolplatte.
Das Schutzpapier des Transfer-Klebebandes bleibt weiterhin auf der Oberfläche. Es wird später immer nur von der Fläche entfernt, die gerade mit Stoff bezogen wird. So bleibt die restliche Klebeschicht sauber und geschützt.
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Stoffe auswählen und auf dem Motiv verteilen
Bevor ich mit dem Zuschneiden beginne, lege ich meine Jerseyreste zunächst lose nebeneinander. So sehe ich besser, welche Farben und Muster miteinander harmonieren.
Für mein Landschaftsmotiv benötige ich verschiedene Stoffe für Himmel, Sonne, Berge, Meer und Boot. Dabei muss nicht jede Fläche eine völlig andere Farbe erhalten. Gerade bei Landschaftsbildern wirkt es häufig harmonischer, mehrere Abstufungen einer Farbfamilie miteinander zu kombinieren.
Stark gemusterte Stoffe würde ich eher gezielt einsetzen. Wenn jede einzelne Fläche ein auffälliges Muster erhält, kann das Bild schnell unruhig wirken. Kleine Muster, Farbverläufe oder melierte Stoffe können dagegen sehr schöne Effekte erzeugen.
Auch die Richtung des Musters spielt eine Rolle. Streifen, Blätter oder andere erkennbare Elemente sollten bereits vor dem Zuschneiden so ausgerichtet werden, wie sie später im Bild erscheinen sollen.
Das erste Stoffstück einsetzen
Ich beginne mit einer der größeren Flächen, beispielsweise mit dem Himmel oder dem Meer. Dafür löse ich das eingeschnittene Schutzpapier nur in diesem Bereich vorsichtig von der Klebeschicht ab.
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Die Schutzschicht der angrenzenden Flächen bleibt zunächst liegen. Dadurch haftet der Stoff nur dort, wo er tatsächlich benötigt wird.
Nun lege ich den Jersey möglichst glatt auf die freigelegte Fläche. Dabei achte ich darauf, ihn nicht zu ziehen. Der Stoff soll in seinem natürlichen Zustand aufliegen und lediglich leicht auf der Klebeschicht angedrückt werden.
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Anschließend schneide ich ihn rund um die Fläche zurück. Dabei bleibt an allen Seiten eine kleine Zugabe stehen. Diese muss groß genug sein, um sicher in der Rille zu verschwinden.
Zu viel Stoff lässt sich später noch vorsichtig abschneiden. Ist das Stück dagegen von Anfang an zu knapp zugeschnitten, kann es sich wieder aus der Rille lösen.
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Die Stoffkanten eindrücken
Nun drücke ich die Stoffzugabe mit einer stumpfen Stricknadel vorsichtig in die eingeschnittene Kontur.
Ich beginne zunächst an einer Seite und arbeite anschließend an der gegenüberliegenden Kante weiter. Dadurch wird der Jersey gleichmäßiger fixiert. Würde ich die gesamte Fläche einfach von links nach rechts bearbeiten, könnte sich der Stoff in eine Richtung verziehen.
Die Stricknadel soll den Stoff nur in die Rille schieben und ihn nicht durchstechen. Sollte sie einzelne Maschen greifen oder Spuren hinterlassen, kann stattdessen ein breiteres Werkzeug wie ein Nagelhautschieber oder ein Falzbein verwendet werden.
Falls zu viel Stoff in der Rille steckt und eine Verdickung entsteht, wird die Kante noch einmal vorsichtig herausgezogen und etwas zurückgeschnitten. Anschließend lässt sie sich erneut eindrücken.
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Rundungen und Ecken sauber ausarbeiten
Rundungen werden am besten in kleinen Abschnitten bearbeitet. Dabei drücke ich immer nur wenige Millimeter Stoff in die Rille und arbeite mich langsam entlang der Kontur.
Jersey passt sich solchen Formen durch seine Dehnbarkeit grundsätzlich gut an. Trotzdem darf er nicht gespannt werden. Sonst kann sich die Stoffstruktur verziehen oder die Fläche später Wellen bilden.
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An Ecken kann sich zu viel Stoff sammeln. Dort ist es besonders wichtig, die Zugabe nicht zu groß zu lassen. Falls sich ein kleiner Knubbel bildet, nehme ich den Stoff noch einmal heraus, kürze die Ecke vorsichtig und setze sie erneut ein.
Zusätzliche Einschnitte in den Stoff sollten nur sehr vorsichtig vorgenommen werden. Wird zu weit eingeschnitten, kann der Schnitt später aus der Rille hervorschauen.
Das Bild Fläche für Fläche zusammensetzen
Auf diese Weise wird nun das gesamte Motiv bearbeitet. Ich beginne bei meinem Landschaftsbild mit den größeren Bereichen wie Himmel, Meer und Bergen.
Danach folgen Sonne und Boot. Gerade das Boot ist etwas kleinteiliger, bleibt aber bewusst schlicht, damit sich die einzelnen Stoffstücke noch sauber einsetzen lassen.
Nach jedem eingesetzten Stoffstück kontrolliere ich, ob der Stoff glatt aufliegt, ob alle Schnittkanten vollständig verschwunden sind und ob sich der Jersey irgendwo verzogen hat.
Solange die Zugabe nicht zu knapp abgeschnitten wurde, lassen sich kleine Fehler meist noch gut korrigieren. Durch das Transfer-Klebeband haftet der Stoff allerdings stärker als bei klassischem Kinusaiga ohne zusätzliche Klebeschicht. Deshalb sollte er möglichst sorgfältig ausgerichtet werden, bevor er fest angedrückt wird.
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Die Außenkanten ohne Rahmen abschließen
Für den Randabschluss verwende ich keinen zusätzlichen Bilderrahmen. Stattdessen beziehe ich auch die Seiten der Styrolplatte direkt mit Stoff.
Dafür verlängere ich alle Schnittlinien, die an den äußeren Rand des Motivs stoßen, senkrecht über die Kante der Styrolplatte. Die Einschnitte verlaufen also nicht nur auf der Vorderseite, sondern werden an der jeweiligen Stelle über die Seitenkante bis zur Rückseite fortgeführt.
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Bei Stoffflächen am Rand schneide ich entsprechend mehr Zugabe zu. Der Stoff endet nicht direkt an der Vorderkante des Bildes, sondern wird über die Seite der Platte bis auf die Rückseite gelegt.
Dort drücke ich die Stoffkante ebenfalls in einen Schlitz und befestige sie auf diese Weise.
Dadurch werden die sichtbaren Seitenflächen vollständig mit Stoff bezogen. Dieser Randabschluss ist etwas aufwendiger, als das fertige Bild einfach in einen Rahmen einzusetzen. Dafür sehen aber auch die Seiten sauber und fertig gestaltet aus.
Ein zusätzlicher Bilderrahmen ist dadurch nicht notwendig.
An den Ecken arbeite ich besonders sorgfältig, weil dort mehrere Stoffkanten zusammentreffen können. Die Zugaben dürfen nicht zu groß sein, sonst entstehen dicke Stellen.
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Ich schneide den Stoff deshalb zunächst nur grob zu, lege ihn probeweise um die Kante und kürze ihn anschließend Stück für Stück, bis er glatt anliegt und sich sauber auf der Rückseite befestigen lässt.
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Mein Fazit zur Stoffresteverwertung mit Kinusaiga
Nach den beiden Landschaftsbildern kann ich sagen: Kinusaiga eignet sich wirklich gut, um auch kleinere Stoffreste noch sinnvoll zu verwenden. Gerade Stoffe, die für ein Nähprojekt längst zu klein wären, bekommen hier noch einmal eine ganz neue Wirkung.
Besonders gut gefällt mir, dass man beim Gestalten nicht nur auf die Farben achten kann. Auch Muster und Stoffstrukturen verändern das Bild. So wirken selbst zwei ähnliche Vorlagen am Ende völlig unterschiedlich, je nachdem, welche Reste man dafür auswählt.
Auch meine Variante mit Jersey und dem doppelseitigen Transfer-Klebeband hat sich bewährt. Das Klebeband hält den dehnbaren Stoff an Ort und Stelle und erleichtert es deutlich, die Kanten sauber in die eingeschnittenen Linien zu drücken. Dadurch ließen sich die Jerseyreste besser verarbeiten, als ich zunächst erwartet hatte.
Ganz ohne etwas Geduld geht es allerdings nicht. Vor allem kleinere Flächen, enge Rundungen und die Ecken am äußeren Rand können etwas fummelig sein. Für den Einstieg würde ich deshalb weiterhin ein Motiv mit größeren, klar voneinander getrennten Flächen empfehlen.
Mir hat die Technik auf jeden Fall Lust auf weitere Bilder gemacht. Sie ist eine schöne Abwechslung zum Nähen und gleichzeitig eine Möglichkeit, Stoffreste nicht nur irgendwie aufzubrauchen, sondern ganz bewusst zu einem neuen Motiv zusammenzusetzen.
Welches Bild würdet ihr aus euren Stoffresten gestalten?
